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Leserbrief

Land der Dichter und Schwätzer!

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 18. Juli 2020

Für die Damen und Herren «IG Morbides Liechtenstein» ist es an der Zeit, einen Ausflug zu machen. Da die meisten in Pension sind, dürften alle genug Zeit haben. Auf nach Lindau. Dort wird der neue Durchgangsbahnhof bald fertig sein. Dann durchs Allgäu nach München, weiter Richtung Wien. Dort können die Mobilhonoren riesige Baustellen der Bahn sehen. Die Strecken werden durchgehend elektrifiziert, begradigt und für überschnelle Züge zukunftstauglich gemacht. Und schon Ende Jahr kann München von Zürich über St. Margarethen in drei und Wien in vier Stunden erreicht werden. Auf diesen schnellen Strecken, die im Bahnjargon «Rennstrecken» genannt werden, haben langsame Güterzüge keinen Zugang. In München bitte eine S-Bahn-Station besichtigen. Da ist ein Perron mit Wartehäuschen und ein durch Apps bald hinfälliger Ticketautomat. Der Güterbahnhof Wolfurt kann nicht weiter ausgebaut werden. Den ÖBB ist es ein Anliegen, den Ost-West Verkehr über den Rangierbahnhof Buchs, der aufgewertet werden soll abzuwickeln. Die Südeinfahrt über Schaan ist dabei interessant, weil damit der Abrollberg angefahren werden kann, ist aber nicht zwingend. Optimal ist für die ÖBB eine Nordeinfahrt und jene wird favorisiert über Lustenau oder falls Liechtenstein so dumm wäre, sich darauf einzulassen. Im Gespräch ist eine Einfahrt nach dem Ardetzenberg durch Bangs nach Sennwald. Alles in allem heisst das, dass die Tage als Personenzugstrecke für den internationalen Verkehr über Liechtenstein gezählt sind. Ohnehin ist es nicht denkbar, dass der Railjet von Budapest in Schaanwald, Nendeln, und Schaan haltmacht. Das sind Hirngespinste. Neben und bis zu 650 Meter lange Güterzüge werden also in Zukunft die Strecke Feldkirch Buchs prägen. Falls wir den Vertrag, der ja 2017 schon ausgelaufen ist, nicht verlängern, wird man in Wien nicht der Weinsucht anheimfallen. Selbst dann nicht, wenn der nur provisorisch bis 2023 verlängerte Vertrag mit der Schweiz nicht mehr aufgefrischt wird. Alles in allem heisst das, wir können uns einen internationalen Anschluss durch die Bahn so lange in die Taschen lügen, bis sie platzen. Realisiert werden sie wohl nicht, und wir werden ein Nebengeleis bleiben. Ein teures Nebengeleise, wie sich bei einem Ja zur S-Bahn sehr schnell herausstellen wird. Wer behauptet, dass die Betriebskosten für die S-Bahn mit 2 Millionen pro Jahr abgetan werden können, sollte sich als Bauchschwätzer beim Zirkus melden. Es werden wohl eher 12 Millionen sein.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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