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Leserbrief

S-Bahn – Kartenhaus

Herbert Elkuch, Gegenkomitee «S-Bahn Nein» | 11. Juli 2020

Seit Jahrzehnten wird über Verkehr diskutiert. Das Hauptproblem im Stossverkehr morgens und abends sind die leistungsschwachen Knotenpunkte im Strassennetz. Statt die eigentlichen Probleme anzugehen, wird über eine S-Bahn mit vier Haltestellen diskutiert, mit vielen ungesicherten Annahmen.
Der grosse Zuwachs der letzten 20 Jahre kommt nicht von Österreich, sondern von der Schweiz. Von Österreich kamen 8711 Pendler im 2018. Die Pendler verteilen sich auf verschiedene Gemeinden, damit kann man das Potenzial für den Umstieg auf die S-Bahn abschätzen. Woher sollen die 5000 S-Bähnler kommen? Die Eisenbahn-Lobbyisten reden von zusätzlichen 13 000 bis 20 000 Arbeitsplätzen in den nächsten 20 Jahren. Woher sollen die kommen und wo sollen die arbeiten?
Lösungen für den Stauabbau müssen unabhängig von der S-Bahn getätigt werden. Im 50 Jahre alten Strassennetz müssen die Engpässe beseitigt werden. Versuche mit Verkehrsbehinderungen sind kläglich gescheitert, die Staus wurden länger. Ebenfalls brotlos ist die im Jahr 2000 eingeführte S-Bahn mit 18 Zügen in den relevanten Morgen- und Abendstunden. 12 500 Grenzgänger kommen aus der Schweiz. Pro Werktag im 2018 nutzten nur 173 Personen die S-Bahn von Buchs Richtung Schaan. Auf der Strasse überqueren an Werktagen täglich rund 120 000 Personen die Landesgrenze! Schweizer mit Arbeitsorten in Vaduz, Triesen, Triesenberg, Balzers, Gamprin, Ruggell, Schellenberg werden nicht nach Nendeln oder Schaan zur S-Bahn pilgern.
Bei den Grenzgängern aus Österreich sieht das nicht anders aus, von denen viele auch über die Schweiz kommen. Für Vorarlberger, die an der Achse Schaanwald, Nendeln, Eschen, Bendern, nördlich in Schaan arbeiten, ist ein Umsteigen in Feldkirch auf die S-Bahn und dann in Nendeln auf den Bus nachteilig. So hätten sie noch längere Arbeitswegzeiten. So fahren sie heute ohne Umsteigen mit dem Bus von (Klaus)-Feldkirch-Bendern-Schaan. Für Grenzgänger aus dem Walgau wäre auch ein Eilbus Bludenz-Nenzing-Frastanz-Feldkirch-Bendern-Schaan-Balzers praktisch, der nur die Betriebe anfährt, in denen Fahrgäste arbeiten, vor allem wenn die Tunnelspinne fertig ist. In Liechtenstein sind auch viele Schichtarbeiter tätig. Die wollen nach der Schicht möglichst schnell zu Hause sein. Umstieg auf eine S-Bahn kaum möglich.
Ohne Ausbau des Strassennetzes wird auch in zehn Jahren über unnötige Staus diskutiert. S-Bahn-Idylle ist Wunschdenken der Lobbyisten, wir sind keine Stadt. Nein zur S-Bahn, die 71,3 Millionen Franken können effektiver eingesetzt werden.


Herbert Elkuch,
Gegenkomitee «S-Bahn Nein»

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