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Leserbrief

Das Wort gebrochen!

Klaus Schädler, Hagstrasse 12, Triesenberg | 6. Juli 2020

Zitat aus einem Zeitungsbericht über die Eröffnung des Walser Heimatmuseums am 13. Dez. 1981: «Dort, wo sich die ersten Walser am Triesenberg niederliessen, verbrachte Rudolf Schädler einen grossen Teil seines Lebens, auf Masescha. In der näheren Region zwischen Silum, Gaflei und dem Fürstensteig faszinierten ihn seit jeher die von den Launen der Natur geschaffenen Baumgebilde. Rudolf Schädler bearbeitete diese Baumgebilde mit Künstlerhand und schuf Plastiken, die ihn weit über die Grenzen Liechtensteins hinaus bekannt machten. Zahlreiche seiner Arbeiten wurden als Sujet für Liechtenstein-Briefmarken verwendet. Rudolf Schädler schenkte sein Lebenswerk der Gemeinde Triesenberg. Im Raum der «Plastiken aus Baumgebilden» sind 69 ­seiner schönsten Werke in einer Dauer-­Ausstellung zu bewundern.
Nun hat der Triesenberger Gemeinderat in einer Blitzaktion den Wurzelraum widerrechtlich zerstören und die Wurzeln einpacken lassen. Er genehmigte hierfür 204 000 Franken. Damit wird der Raum für eine Papeterie mit Postanbindung umgestaltet. In wenigen Jahren will der Vorsteher dann das ganze Walser Heimatmuseum inklusive den umgestalteten Raum abbrechen und gegen einen grossen Festplatz eintauschen.
Ich kann mich noch sehr gut an die Eröffnungsfeier des Walser Heimatmuseums erinnern. In seiner Festrede versprach der damalige Gemeindevorsteher Alfons Schädler dem ebenfalls anwesenden Künstler Rudolf Schädler, dass der Raum auf «ewige Zeiten» seine Kunstwerke beherbergen wird. Diese Zusage habe die Gemeinde als Dankeschön für die grossartige Schenkung abgegeben. Mit dem Entscheid des jetzigen Gemeinderates vom 30. Juni 2020 ist die Gemeinde wortbrüchig geworden.
Vorsteher Christoph Beck sagte letzte Woche in einem «Vaterland»-Interview: «Wir vertreten die Meinung, dass das Gebäude bloss eine Hülle ist. Der Inhalt des Museums ist wichtig». – Wohin er den «Inhalt», also die über ein halbes Jahrhundert gesammelten Kulturgüter der Walsergeschichte am Bäärg entsorgen will, weiss er noch nicht.

Klaus Schädler,
Hagstrasse 12, Triesenberg

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