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Leserbrief

Herr Rehak und die Kinder

Johann Ott, IG mobiles Liechtenstein | 29. Juni 2020

Im Leserbrief vom vergangenen Freitag kritisiert der Landtagsabgeordnete Thomas Rehak, dass die vorgesehene Investition und die laufenden Kosten für die S-Bahn vor allem den Pendlern und nicht unseren Kindern und Jugendlichen zugutekommen und deshalb der liechtensteinische Steuerzahler deren Arbeitsweg zukünftig zum grossen Teil zahlen soll. Am Donnerstag schrieb Daniel Oehry, dass sich bei uns künftig die pendelnden Personen innerhalb von 10 Jahren um 13 000 steigern werden. Am Freitag schrieb Heinz Senn von Engel & Völkers, dass die Preise für Wohneigentum im Raum Werdenberg in den letzten 10 Jahren um fast 90 Prozent in die Höhe geschossen sind. «Hauptgrund für die Preisexplosion sind laut Experten vor allem die EU-Zuzüger und Einwanderer, welche in Liechtenstein arbeiten, aber keine Aufenthaltsbewilligung erhalten.»
Mit dem Auto werden die künftigen Pendler nicht kommen können, weil unser Strassennetz jetzt schon überlastet ist. Sie müssen in unsere Gewerbe- Dienstleistungs- und Industriezonen gelangen. Davon wird es künftig kaum neue geben und die Strassen dorthin können auch nicht vermehrt werden. Hier ansiedeln, damit sie ihre Arbeitsplätze mit dem Fahrrad oder zu Fuss erreichen können, werden 13 000 Arbeitskräften innerhalb von 10 Jahren auch nicht können, denn das entspricht mindestens 20 000 Einwohnern, also derjenigen von vier Gemeinden. Die Förderdistanzen für Linienbusse sind durch enge Haltestellenabstände und Verkehrserschwernisse beschränkt. Um all diesen Leuten zumutbare Arbeitswege und Wohnmöglichkeiten im weiteren Umfeld unserer beiden Nachbarländer zu ermöglichen, muss dieses verkehrstechnisch leistungsfähig erschlossen sein. Die Ostschweiz investiert derzeit mächtig in ihr S-Bahnnetz. Auch das Land Vorarlberg hat sein Netz ausgebaut. Zwischen St. Margrethen und Bregenz sind die beiden Systeme bereits leistungsfähig verbunden. Nur die Zusage durch unser Land fehlt noch. Dabei bilden wir den Arbeitsplatzmagneten und die S-Bahn könnte viele Pendler mitten ins Land befördern. Wir hätten die Möglichkeit, unser Verteilsystem nach den hiesigen Bedingungen zu optimieren. Wenn wir der Wirtschaft die Weiterentwicklung gewähren wollen, müssen wir der S-Bahn zustimmen, denn das Verkehrsaufkommen ist die Folge unserer Wirtschaftsentwicklung. Wenn Herr Rehak meint, die Kosten für die S-Bahn würden nicht den Kindern und Jugendlichen dienen, sondern den Pendlern, muss er unsere Kinder und Jugendlichen fragen, ob sie den Wohlstand mit laufender Wirtschaft weiterführen wollen oder lieber in Armut der Askese frönen möchten, denn Arbeitsplätze können nur besetzt werden, wenn sie zugänglich sind und bleiben.

Johann Ott, IG mobiles Liechtenstein

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