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Leserbrief

Hydroxychloroquin. Die Wiedergeburt des Inkareiches und seiner Plünderer

Víctor Arévalo Menchaca, Univ. Prof. Dr. iur., Auring 56, Vaduz | 25. Juni 2020

Cinchona ist ein Baum, der in den Hochländern Perus wächst. Seine Rinde benutzten die Inkaärzte vor Kolumbus, um etliche Krankheiten zu heilen. Als Spanien 1532 Peru eroberte und das Inkareich zerschlug, gingen diese Kenntnisse nicht ganz verloren. Missionare der Jesuiten lernten bei den Indianern, dass Cinchona-Rinden gegen hohes Fieber, Atemnot, Lungenentzündung und Rheuma gut wirkten. Rinde und Wissen brachten die Priester nach Italien und Spanien, wo sich die Rinde als Wundermittel gegen Malaria bewährte und ihr Präparat Chinin getauft wurde, auch wenn die Laien es weiter Jesuitenpulver nannten. Begeistert adoptierten die Ärzte ebenso in China das Chinin, das immer noch heute als Heilmittel in der einheimischen Medizin gilt. Synthetisches Chinin, Hydroxychloroquin, existiert nun auf dem Weltmarkt unter verschiedenen Namen. Plaquenil hier. Da das Präparat von keinem Patent geschützt wird, ist es erschwinglich.
Wie früher gegen SARS 2002 und MERS 2012 weltweit setzten die Kliniken in Wuhan eilends Hydroxychloroquin gegen Covid-19 ein. Das Mittel wirkte gleich auf die Covid-19-Erkrankten, linderte ihre Schmerzen, besserte ihre Atemnot und hellte ihr Gemüt auf. Erhöhte es die Überlebenschancen? Im Westen stellten sich die Virologen diese Frage, auch wenn die Kliniken umgehend zum Medikament greifen mussten, um die Welle der Erkrankten zu behandeln. Zugleich wurden Legionen von Präparaten, manche erst in Entwicklung stehend, erprobt, die aufgrund ihrer Eigenschaften Erfolg versprachen. Hydroxychloroquin bleibt aber weiter im Einsatz, weil es hilft und fast nichts kostet.
Unverhofft erschien Ende Mai jedoch in der weltführenden medizinischen Zeitschrift Englands, «The Lancet», ein Beitrag Mandeep Mehras, Herzchirurg aus Harvard, der behauptet, dass Hydroxychloroquin das Sterberisiko von Covid-19-Patienten arg erhöhe. Die Nachricht führte umgehend dazu, dass alle Kliniken des Westens und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf das Medikament total verzichteten.
Am 4. Juni verkündete «The New York Times», dass Prof. Mehra seinen Artikel zurückziehen musste, weil dieser auf falscher Statistik beruhte. Eine solche hatte Mehra von Surgisphere, einer Firma in Chicago, die inzwischen spurlos verschwunden ist, bezogen. Die Nachricht bewegte Kliniken weltweit dazu, Hydroxychloroquin weiter einzusetzen. Das Gerücht geht um die Welt, Mehra wäre einem Betrug des Pharmakonzerns Gilead, der hinter Surgisphere stünde, aufgesessen. Sinn der Sache war es zweifellos, Hydroxychloroquin vom Markt zu entfernen, sodass Gilead über mehr Zeit verfügt hätte, ihr Medikament, Remdesivir, einzuführen.
Es drängt sich hier der Verdacht auf, dass die Chinin-Variante deshalb nicht erwünscht ist, weil sich mit ihr kein Geld machen lässt. Die Toten werden dabei allenfalls als Kollateralschaden betrachtet.

Víctor Arévalo Menchaca, Univ. Prof. Dr. iur., Auring 56, Vaduz

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