Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Mich laust die Katze

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 19. Juni 2020

Einst war ich mit einem ganz schlauen Weib zusammen; einer sogenannten LAP. Lebensabschnittspartnerin mit Stern. Sie war so weit eigentlich recht fröhlich, reiselustig und weil heiratswillig in Ansätzen auch permanent überzogen mit einem geheuchelten Sparwillen. Eines Tages machte sie einen Ausflug nach Luino am Lago Maggiore. Ich nahm an solchen Ereignissen nie teil, weil das ungezügelt laute Gegacker auf der stundenlangen Busfahrt meinen fein abgestimmten, eigentlich für Höheres bestimmten Ohren nicht zuträglich war. Wie diese LAP dann spät am Abend nach Hause kam, lag ich schon schnarchend im Bett, wo sie mich brutal aus den Träumen aufschreckte und mir jubelnd zwei Flaschen Wein unter die Nase hielt und mit heiserer Stimme krächzte: Schau Schatz, was ich für uns gekauft habe. Die Stimme hätte sie verloren, weil sie im Bus auch noch gesungen habe und den Wein hätte sie gekauft, weil er so billig war. Damals 1000 Lire die Flasche; also lediglich 95 Rappen. Ihre Begründung: Der Wein war so billig, den hätte sie kaufen müssen. Sie verstieg sich dann noch in den dümmlichen Unsinn hinein, dass wenn sie ihn nicht gekauft hätte, ein anderer ihn geschnappt hätte. Wie sie dann auch noch sagte, diesen Wein sollte man aber erst an Weihnachten trinken, weil einen so günstigen, und deshalb in ihren Hirnwindungen auch zwangsläufig guten, sollte man nicht einfach so saufen, rief ich sofort den Goldschmied an, um die bestellten Verlobungsringe unwiderruflich abzusagen. Damals hatten wir auch eine langhaarige Perserkatze, bei der man auch nach Stunden mühsamem Bürstens immer wieder am Anfang steht. Mühsam, weil der «Kröppel» kratzte und biss wie der Teufel. Und weil er immer Läuse nach Hause brachte, wagte ich den Versuch und wusch ihn mit besagtem Wein. Sehr erfolgreich, wie sich am nächsten Tag zeigte. Denn die Katze hatte nun keine Läuse, aber auch kein Fell mehr. War also für praktisch 80 Rappen über Nacht zur problemlosen Nacktkatze verwandelt worden. Wem wohl kommt bei dieser Geschichte nicht die S-Bahn in den Sinn? Diese müssten wir unbedingt bauen, weil wir nie mehr so billig zu einer Bahn kämen. Diese hanebüchene Logik, für die der Gott des uneingeschränkten Blödsinns Pate stand, könnte von der haarlosen Katze stammen. Sparen wir das Geld für richtigen Wein, lösen die unsägliche Verlobung mit den ÖBB, sagen dem Zwitterwesen S-Bahn tschüss und bauen lieber eine eigene Trambahn von Feldkirch bis Sargans, die möglichst alle Talgemeinden tangiert.


Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung