Leserbrief

Rückkehr zu einer anderen Normalität

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg | 9. Mai 2020

Erstmals seit 90 Jahren diente heftige staatliche Propaganda mit ihren Medien dazu, das Volk zu entmündigen und seiner Freiheitsrechte zu berauben. Kein Hinterfragen im Landtag? Ein Trauerspiel der Demokratie offenbarte sich. Einziger Wehrmutstropfen, der Vorstoss von Christoph Wenaweser, nachträglich eine Aufarbeitung des Krisenmanagements vorzunehmen. Hier aber bitte nicht nur mit der Auswertung eines regierungsnahen Instituts. Insbesondere die Frage, ob die vollständige Rücknahme der «Lock-down»-Massnahmen erst dann vorgenommen werden sollten, wenn ein Impfstoff existiert, muss beantwortet werden. Ziel des Lockdowns war es, eine Reproduktionsrate von eins zu erreichen, damit es zu keiner Überlastung des Gesundheitssystems kommt. Bereits mit der Umsetzung des Lockdowns gab es für die Schweiz eine epidemiologische Studie der ETH Zürich. Das Team von Prof. Tanja Stadler hat während der COVID-19-Epidemie jeden Tag die effektive Reproduktionsrate abgeschätzt. Die Feststellung der Studie belegte, dass bereits vier Tage vor Verkündung des Lockdowns seitens der Schweizer Regierung die Reproduktionsrate auf den wünschenswerten Stand gesunken war. Auch die Regierung in Österreich ging den fragwürdigen Weg eines Lockdowns. Eine Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Österreich kam zum Schluss, dass die Rate seit dem 12. März kontinuierlich gesunken ist. Absagen von Grossveranstaltungen, hygienische Massnahmen sowie Abstandhalten wären ausreichend gewesen. Das beste Beispiel ist heute Schweden, obwohl hier auch Fehler gemacht wurden im Bereich des Schutzes von Risikogruppen, was zu einer leicht höheren Todesrate führte, ist Schweden im Resultat genau so weit wie die Schweiz mit ihrem verheerenden Lockdown. Die Studie von John Ioannidis von der renommierten Standfort University, er ist also einer der weltweit führenden Epidemiologen, informiert, dass das Todesrisiko selbst in der höchsten Alterskategorie in den grössten Infektionsherden 0,37 Prozent nicht überschreite und in der Grössenordnung einer saisonalen Grippe liege. Ein Harakiri-Lockdown wäre verständlich gewesen, hätte sich die Politik und ihre sogenannten Experten hinsichtlich der Daten im Blindflug befunden. Man wusste aber Bescheid. Prof. Pietro Vernazza, der Chefarzt der Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen, einer der Kritiker, bestätigt das: «Wir haben ausgezeichnete Instrumente, um die Epidemie nahezu in Echtzeit zu beobachten und darauf zu reagieren.» Irren ist menschlich, aber ein Festhalten an einem Irrtum ist fatal. Die Forderung muss lauten: keine Rückkehr zu einer Pseudonormalität, nein, sondern eine Rückkehr zu Freiheit und Demokratie.

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg

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