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Leserbrief

Was ist das Coronavirus?

Víctor Arévalo Menchaca, Univ. Prof. Dr. iur., Auring 56, Vaduz | 9. April 2020

Jemand ass eine Fledermaus in Wuhan, China, und erkrankte, vielleicht ging es bei ihm nur um einen Schnupfen, den er kaum ernst nahm, weil solchen niemand im Winter für wundersam hält. So unscheinbar fing die Coronapandemie an. Die Fachärzte bemerkten zunächst in den Kliniken nichts. Erkältungen, die bei älteren oder chronisch kranken Patienten zu Pneumonien mit Todesfolgen führen, gelten als keine Seltenheit. Erst die Anzahl der Befallenen brachte die Spezialisten dazu, Alarm zu schlagen. Eine einzige Fledermaus reichte, um die ganze Menschheit anzustecken.
Fledermäuse machen ein Viertel und Nagetiere die Hälfte aller Säugetiergattungen aus. Die Übrigen, dazu zählen wir, nur noch ein Viertel. Fledertiere, eine Fleischmasse, die uns zu Däumlingen macht, bilden das grösste Virenreservoir überhaupt. Ihr Stoffwechsel, dessen Resilienz ihre Immunität ermöglicht, danken sie dem Fliegen und dem Energieverbrauch, den solches verlangt. Die rötliche Hufeisennase, eine Fledermaus, die in Wuhan nicht selten ist, beherbergt Legion Coronaviren, darunter die Erreger von Sars (2002), Mers (2012) und Covid-19, das die Welt jetzt heimsucht.
Wer trägt die Schuld? Die Fledermäuse? Wohl kaum! Fledermäuse gehören zu den nützlichsten Tierarten schlechthin. Die Anzahl Insekten, die sie vertilgen, ist so riesig, dass sie wesentlich deshalb das Überleben der Menschen bedingen. Das Gleiche gilt für die Pflanzen, die Fledermäuse bestäuben, und ohne sie verschwinden würden. Die Schuld auf das Covid-19 trägt der Mensch, der solches Unheil, dessen Zwangsläufigkeit die Virologen im März 2019 voraussahen, ihrer wiederholten Warnungen zum Trotz, nicht vorbeugte.
Ende Dezember 2019 erhielt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell die Nachricht, dass sich in China eine Epidemie aufgrund eines neuen Coronavirus ausbreitete. Die Genomsequenz des Virus übergab China am 12. Januar dem WHO. Damit konnten die Virologen, bestens vernetzt, Testkits entwickeln, um Erkrankte aufzudecken. Damals gab es weltweit weniger als 200 Fälle. Alle Länder kannten die Massnahmen, die sie hätten treffen sollen, um eine Pandemie wie 1918–20 zu vermeiden. Fast alle versagten, weil die Politiker davor träumten, das Virus auszutricksen. Allen voran Grossbritannien. Die Folgen davon erleiden wir jetzt alle anfangs April. Das Volk Liechtensteins, seine Gemeinden und Organe, Glück im Unglück, reagierten hingegen, der Konfusion jenseits der Landesgrenzen zum Trotz, vorbildlich auf die Hekatombe.
Das Coronavirus ist existenziell ein Abwehrmechanismus des Menschen gegen sich selbst. Eine Mahnung? Die allerletzte Mahnung!

Víctor Arévalo Menchaca, Univ. Prof. Dr. iur., Auring 56, Vaduz

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