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Leserbrief

Na hoppla?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 25. März 2020

Na, servus, wer hätte das gedacht? Nun, in Zeiten akuter Bedrohung durch ein kleines Ding wird uns bewusst, wie klein und hilflos wir doch alle sind. Nun spielt es auch einmal auch keine so grosse Rolle, wie viel der Novartis Chef an Lohn mit nach Hause schleppt. Hauptsache, er bringt bald ein Medikament, das uns vor diesem Trauma errettet. Aber das kann dauern und bis dahin muss aber ein Retter her. Und wie durch ein Wunder besinnen sich die Menschen, dass er ja da ist, er, der liebe Gott, der uns beisteht in guten wie in schlechten Zeiten. Nur in guten Zeiten, von denen wir leider viel zu viele erleben durften, stellen wir ihn in die Ecke und lassen ihn dort gnadenlos verstauben und vergammeln. Es sei denn, die Mutter liegt im Sterben. Dann wird er wieder aufpoliert und bekommt sogar noch etwas Blumenschmuck. Und wenn die Gute dann tatsächlich im Himmel ist, dann kommt er jeweils wieder zum Jahrestag in Aktion. Ist das denn nicht alles wunderbar? Wunderbar komisch meine ich. Aber gut, schön, dass wir nun wieder füreinander beten, Kerzen anzünden und uns ein langes Leben wünschen. Das wird schon hinhauen, denn der liebe Gott sorgt schon für uns und wenn er keine Zeit hat, hilft nun bestimmt unser Glaube an ihn. Anders wie der Staat. Dem ist es eingefallen, vor etwa 20 Jahren die Notvorräte einfach ersatzlos aufzulösen. Weil es gäbe in Zukunft keine Nöte mehr und wenn man etwas braucht, dann könne man es ja kaufen. Um eine Tragik gar nicht erst aufkommen zu lassen, lässt er dafür ein- oder zweimal im Jahr die Sirenen aufheulen, von denen der Durchschnitts-Coronagefährdete gar nicht weiss, wo da der Sinn sein soll. Man würde dann über das Radio, falls es das bis dann noch gibt, informiert. Ist die Bedrohung dann gröberer Natur, würde man wohl angewiesen, die Schutzräume aufzusuchen. Davon stehen ja in jeder Gemeinde etwa Gott sei Dank 20 zur Verfügung. Wo genau die sind, ist dann in dem allgemeinen Durcheinander noch zu eruieren, wenn es dann so weit ist. Damit dort dann aber, nur die richtigen, also nicht etwa die falschen hineinkommen, stehen vor deren Türen Kisten mit roten Boxhandschuhen parat. Dem nicht schützenswerten Rest sei geraten, Abstand zu halten, Schnaps zu sammeln und sich die Frage zu verinnerlichen, warum sorgt die Regierung für uns nicht vor? Keine Schutzmasken, keine Schutzanzüge, keine Desinfektionsmittel, keine Notbetten, keine Medikamentenlager, keine Schutzräume, nichts zu futtern, und den erlösenden Schnaps müssen wir auch noch abgeben.


Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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