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Leserbrief

Wald-Wild- Problem oder Förster gegen Jäger?

Felix Näscher, Aspergut 2, 9492 Eschen | 17. Februar 2020

Neue Erwartungen betreffend Waldleistungen wandelten seit den 1950er-Jahren die Waldwirtschaft grundlegend: Grossflächige Abholzungen, standortswidrige Aufforstungen und Viehweide im Wald wurden verboten; neue Waldwege ermöglichten dagegen die Aufforstung von aufgelassenen Weideflächen, die naturnahe Jungwaldpflege sowie die schonende Holzernte. Einher ging dies mit dem Erlass einer modernen Jagd-, Naturschutz-, Tierschutz- und Waldgesetzgebung; gerade die Jäger erfuhren dabei eine deftige Wandlung ihres Selbstverständnisses; sie mussten ihr bisheriges Tun geradezu auf den Kopf stellen.
Die Mechanisierung im Wald unterstützte die menschliche Arbeitskraft mit Maschinen und technischen Hilfsmitteln. Aber die Rationalisierung, also die Beschränkung auf jene Massnahmen, welche die Arbeitsproduktivität erhöhen, die Gesamtkosten verringern und die Leistung mindestens optimieren sollen, blieb dabei zu sehr auf der Strecke. Trotzdem – die Waldfläche vergrösserte sich um etwa ein ­Drittel, ein Viertel davon wurde als Waldreservate im Sinne des Na­turschutzes erklärt und eine naturnahe Waldwirtschaft wurde initiiert.
Fakt ist aber auch, dass unser Wald im benachbarten Ausland nicht einmal Forstamtsgrösse erreichen würde – dessen personelle, finanzielle und organisatorische Ausstattung dagegen ist bei uns um ein Mehrfaches höher. Umso ernüchternder – aber mit dieser Überdotierung an Mitteln erklärbar – ist, dass sich die derzeitige Waldwirtschaft vom geforderten naturnahen Umgang mit dem Wald zusehends entfremdet. Naturnahe Waldwirtschaft lässt sich nicht in Zeiträumen wie die Kabisproduktion verwirklichen – also pflanzen und ernten imselben Jahr: Mechanisierung und die vergessen gegangene Rationalisierung lassen den Wald zum Kabisacker verkommen. Und in diesem Zwangskorsett eines Überflusses an Ressourcen, die zu häufig plan- und ziellos sowie naturzerstörisch einfach bewegt werden müssen, soll der Hirsch als Ausrede für ausbleibenden Erfolg herhalten.
Wir haben kein Wald-Wild-Problem! Vielleicht haben wir ein Problem mit einigen ganz wenigen Jägern, welche hin und wieder Jagdträumereien verfallen; sicher aber haben wir ein Problem mit einigen mit dem Wald befassten Personen – mit jenen, welche persönliche Abneigungen gegen einzelne Jäger auf dem Rücken integraler Lösungsansätze zelebrieren, sich der Diskussion verweigern und versuchen, wider besseres Wissen mit dem Verschweigen gesicherter Fakten oder mit dem Verbreiten von Halbwahrheiten politische Entscheidungsträger, welche auf Fachkompetenz und Objektivität vertrauen, zu instrumentalisieren.
Unser Wald überlebte in den vergangenen Jahrhunderten gar -anches – wird er aber auch die heutige Förstergeneration überleben? Ich habe meine Zweifel – wir brauchen keinen ökologischen Jagdverein, wir bräuchten einen ökologischen Waldverein.

Felix Näscher, Aspergut 2, 9492 Eschen

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