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Leserbrief

Pendler finanzieren AHV-Renten von inländischen Ehepartnern mit

Landtagsfraktion der Freien Liste | 15. Februar 2020

Im Vorfeld der Landtagsdebatte zum AHV-Gutachten spielen neuerdings auch höhere Kreise die «Ausländer-», sprich die «Pendler-Karte». Sie suggerieren, dass Liechten-steiner/-innen benachteiligt wer- den, wenn der Staatsbeitrag an die AHV erhöht wird. Das ent- behrt jeder Grundlage.
Natürlich erwerben Pendler/-innen für ihre Tätigkeit einen anteiligen Rentenanspruch in Liechtenstein. Es stimmt jedoch nicht, dass sie mehr als inländische Arbeitneh-mer/-innen von der AHV profitieren. Eher das Gegenteil ist der Fall. Der immer häufiger propagierte ungerechtfertigte Leistungsexport findet nicht statt.
Obwohl fast zwei Drittel der Anzahl an Renten an die Bezüger/-innen im Ausland ausgerichtet werden, flies-sen effektiv nur rund ein Drittel der Frankenbeträge ins Ausland. Dem steht gegenüber, dass mehr als die Hälfte der von Versicherten und Arbeitgeber/-innen eingezahlten Beiträge aus Löhnen von Pendler/- innen stammt. Die im internationalen Vergleich ungewöhnliche Situation der zahlreichen «Auslandfälle» widerspiegelt den liechtensteinischen Arbeitsmarkt (siehe AHV-Jahresbericht 2018, Seite 26).
Die liechtensteinischen Arbeitge- ber/-innen bezahlten 2014 circa 46 Prozent der Bruttolöhne an er- werbstätige Einwohner/-innen und circa 54 Prozent der Bruttolöhne an Pendler/-innen mit Wohnsitz im Ausland (Schätzrechnung Amt für Statistik). Das nährt das Gerücht, die Pendler/-innen würden mehr von der AHV profitieren als die Wohnsitzer/-innen. Der typische vollzeitbeschäftigte Pendler ist aber versicherungstechnisch keineswegs ein «schlechtes Risiko» für die AHV. Der erwerbstätige Wohnsitzer hat im Rahmen des Splittings zum Beispiel für seinen nicht erwerbstätigen Ehepartner Anspruch auf eine Rentenerhöhung, wenn dieser in Liechtenstein versichert und wohnhaft ist. Der erwerbstätige Pendler hingegen hat keinen Anspruch auf Altersrente für seinen im Ausland wohnhaften und nichterwerbs- tätigen Ehepartner. Die «Nichtwohnsitzer» erhalten von der AHV genau das, was ihnen zusteht, während die «Wohnsitzer» zusätzlich für Ehegatten Renten beantragen können (siehe AHV-Jahresbericht 2016, Seiten 19 bis 20).
Pendler finanzieren in wesentlichem Masse die AHV-Renten von inländischen nichterwerbstätigen Ehepartnern mit. Ein ungerechtfertigter Export von AHV-Leistungen ist eine Mähr. Der Medianlohn, also der mittlere Lohn von Pendlern, lag im Jahr 2016 1,9 Prozent höher als derjenige von inländischen Arbeitnehmern (Lohnstatistik 2016, Seite 15).
Fazit: Pendler verdienen – wohl auf Grund ihres Ausbildungsniveaus als dringend benötigte Fachkräfte – oft mehr und müssen somit mehr an die AHV abgeben, ohne dass dies aber höhere Rentengutschriften auslöst. Denn die AHV-Leistungen sind bekanntlich gedeckelt. Eine faktenbasierte Stellungnahme der AHV-Anstalt könnte in dieser Gerüchteküche Klarheit bringen.

Landtagsfraktion der Freien Liste

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