Leserbrief

Vier vollamtliche staatliche Jäger!

Walter Bargetze, Poska 20, Triesen | 15. Februar 2020

Aus den Landeszeitungen war die vergangenen Tage zu entnehmen, dass die Regierung vier vollamtliche Jäger anstellen will. Das kostet uns Steuerzahler rund 700 000 Franken an Löhnen, Sozialabgaben, Fahrzeugen, Verwaltung, Büroplätze etc. Dies finde ich völlig unverhältnismässig ... zeugt aber von der masslosen Überheblichkeit unserer Politik.
Im vorgeschlagenen Massnahmenpaket von Regierungsrätin Dominique Hasler, Hansjörg Büchel, Dr. Helmut Kindle und Erich Zehnder werden u. a. folgende Punkte verfolgt: «Ausserordentliche Bestandsregulierung» sowie «Jagdpraxis … zeitlich und räumlich ausserhalb der etablierten Jagdräume» – mit anderen Worten heisst dies, dass an 365 Tagen im Jahr zu jeder Tages- und Nachtzeit auf dem gesamten Hoheitsgebiet des Fürstentums nicht gejagt, sondern die Wildtiere abgeschlachtet werden können. Im «Massnahmenpaket» wird fairerweise nicht mehr von Jagd gesprochen. Die staatlich finanzierten Jäger werden wohl auch nicht davor zurückschrecken, trächtige Tiere zu töten. Die Waidgerechtigkeit geht mit diesen geplanten Massnahmen vollends verloren.
Sollten sich Jäger für dieses Massaker an den Wildtieren finden lassen, was für Menschen sind das? Haben diese die Grundwerte der Jägerschaft, den Stolz, Jäger zu sein, Schonzeit der Tiere, Jagdregeln u. v. m. vergessen und den letzten Anstand verloren?
Unter diesen Bedingungen wird es schwierig werden, für die kommenden Jahre Pächter für die hiesigen Jagdreviere zu finden. Wenn die Staatsjäger bereits vor der Jagd das Recht haben, Wild zur Strecke zu bringen, wird es schwierig sein, Pächter zu finden, die das bis auf sehr wenige Tiere faktisch leere Jagdgebiet betreuen.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass der Waldbestand in Liechtenstein Jahr für Jahr zunimmt.
Aber etwas Gutes hätte die ganze Geschichte: Wenn dann der Wildbestand bei nahezu null liegt und kein Wildverbiss mehr stattfindet, soll konsequenterweise auch das Personal von Forst und Forstamt drastisch reduziert werden. Denn somit schwindet auch deren Arbeit und Wirkungskreis. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch unsere Förster auffordern, unseren Wald aktiv zu schützen und darum bemüht zu sein, nicht mit 40-Tönnern im Wald Schneisen zu ziehen, damit den Waldboden zu verdichten und den Neuwuchs platt zu walzen – was ich mit eigenen Augen gesehen habe.
Sollten alle Stricke reissen und der hohe Landtag ein solch unwürdiges Gesetz beschliessen, vertraue ich auf unseren verehrten Fürsten und Erbprinzen. Bereits Fürst Franz Josef II. hat am 20. Dezember 1961 die Sanktion des damaligen unsinnigen Jagdgesetzes verweigert.

Walter Bargetze,
Poska 20, Triesen

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