Volksblatt Werbung
Leserbrief

Wiesen und Felder sollten nicht zur Entsorgung von Gülle benutzt werden

Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) | 18. Januar 2020

Mehr Selbstverantwortung für die Ausbringung von Gülle während der Vegetationsruhe, fordert ein Landwirt im Beitrag von Hannes Matt («Volksblatt» vom 16. Januar, Seite 3). Die Landwirte fühlen sich bevormundet und hätten gern dieselben Freiheiten wie ihre Kolleginnen und Kollegen in der angrenzenden Schweiz. Schliesslich seien die Gülle-Lager irgendwann voll.
Wer recherchiert, wird schnell inne, dass in der angrenzenden Schweiz betreffend der Ausbringung von Hofdünger während der Vegetationsruhe genau dasselbe gilt wie bei uns: Ein Düngefenster im Winter ergibt sich nur, wenn die Temperatur über sieben Tage im 24-Stunden-Mittel über 5 Grad Celsius steigt. Dazu gibt es sogar einen Bundesgerichtsentscheid. Im Zweifelsfall müssen sich die Landwirte bei den entsprechenden Beratungsstellen oder beim Amt erkundigen. Die jeweiligen Schweizer Gemeinden sind zur Kontrolle verpflichtet. Die Landwirte auf der anderen Seite des Rheins haben also nur insofern mehr «Freiheit», als sie in der Pflicht sind, die gesetzlichen Vorgaben eigenverantwortlich umzusetzen. Auf beiden Seiten des Rheins müssen die Landwirtschaftsbetriebe zudem dafür sorgen, dass ihre Güllekästen genügend Kapazität haben, die im Winter anfallende Menge aufzunehmen.
Aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes ist das Ausbringen von Gülle in der Vegetationsruhe nur schädlich. Die Pflanzen brauchen während dieser Zeit keinen Dünger, sie können ihn nicht einmal aufnehmen. Hofdünger dürfte unseres Erachtens nur zur notwendigen Förderung der Bodenfruchtbarkeit ausgebracht werden. Alles andere hat nichts mit Düngen zu tun, sondern dient der Entsorgung von Abfall - mit der Konsequenz, dass zu viele Stoffe in die Umwelt gelangen, die sich schädlich auf die Biodiversität, die menschliche Gesundheit und das Klima auswirken.
Die LGU hat im Dialog mit der Politik und den Behörden schon mehrfach darauf hingewiesen: Den Landwirten sind sinnvolle und zukunftstauglich Alternativen für die Entsorgung von Hofdüngern zu bieten.
Zum Beispiel lässt sich in Biogasanlagen aus Hofdüngern sowohl Energie, als auch erstklassiges Düngerkonzentrat gewinnen. Damit könnten die Nitratbelastungen der Gewässer und weitere Umweltbelastungen deutlich gesenkt werden. Es gibt Beispiele moderner Biogasanlagen, die ohne Geruchsbelästigung wertvolle Energie und Dünger produzieren. Dünger, der an die Betriebe in flüssiger Form oder für steile Hanglagen auch als Pellets zurückgeliefert wird, ist praktisch geruchsfrei. Die benötigte Düngermenge sollte für jede Nutzungsart pro Flächeneinheit berechnet und mit Schleppschläuchen ausgebracht werden. Damit wäre sowohl der Landwirtschaft als auch dem Umweltschutz gedient.

Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU)

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung