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Leserbrief

Die E-Mail, die aus jenseits des Polarkreises kam

Víctor Arévalo Menchaca, Univ. Prof. Dr. iur., Auring 56, Vaduz | 16. Januar 2020

Klaus Schatzmann hebt im «Volksblatt» vom 11. Januar hervor: «Zur Kunst einer guten Rede gehören die richtige Dramaturgie und die Fähigkeit, Gefühle zu zeigen.» Damit will er seine Zustimmung zu einem Beitrag Daniel Quaderers «Elf Reden, die Liechtenstein veränderten» bekunden. Dennoch, wirft Herr Schatzmann ein, unterlasse Herr Quaderer, wenn er sich um die Verfassungsgeschichte 2003 kümmere, ein Zitat, das Herr Schatzmann Herrn Dr. Peter Sprenger anrechne und laute: «Ich werde keinen Eid auf eine Verfassung leisten, welche erpresst wurde.» Dieses hält Herr Schatzmann für «ein kleines Manko» des Beitrags, das er entdeckt hätte. Ohnehin verrät das Zitat viel Dramaturgie, das Können, Dramen zu gestalten. Freilich gehört dazu, Gefühle zu zeigen.
Aber es war kein Manko Herrn Quaderers, das Zitat zu unterlassen, weil die Aussage, die das Zitat ausdrückt, keiner Wahrheit entspricht. Eine unwahre Aussage, weil sie Gefühle dramaturgisch zeigt, kann Liechtenstein mitnichten verändern.
Liechtenstein ist eine direkte Demokratie, wo das Volk unmittelbar herrscht. Deshalb gab sich das Volk selbst eine Verfassung und verabschiedete März 2003 eine allgemein verständliche Verfassungsurkunde auf Vorschlag des Landesfürsten. Den Vorschlag stellte er aber nicht als Fürst, sondern als einfacher Landesbürger.
Wo liegt die Erpressung? Wer war der Erpresser? Musste jemand dem Volk Daumenschrauben anlegen, sodass es sich selbst regiert? Wie konnte jemand das Volk dazu zwingen, sich selbst zu regieren?
Mögen Lügen kurze Beine haben! Unwahrheiten in Leserbriefen tragen aber Meilenstiefel. Ein Kollege aus Tromsø sandte mir heute eine E-Mail: «So! Die Verfassung hat eine Verbrecherbande erzeugt?» Dies bewegt mich dazu, jetzt an das «Volksblatt zu schreiben. Den Brief Herrn Schatzmann» hatte ich zuvor nicht gelesen. Es möchte darum scheinen, dass er das Zitat aus unerklärlichen Gründen verherrlicht.

Víctor Arévalo Menchaca, Univ. Prof. Dr. iur., Auring 56, Vaduz

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