Leserbrief

Liebe Ruth, vielen Dank für deinen Leserbrief

Barbara Vogt-Marock,Eichholz 5, Balzers | 21. Dezember 2019

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen beziehungsweise den Finger in eine schmerzhafte offene Wunde gelegt. Wir müssen einfach ehrlich zugeben, dass wir auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder leben beziehungsweise gelebt haben. Früher waren uns die Folgen unseres Tuns noch nicht bewusst, heute jedoch haben wir keine Ausrede mehr und müssen handeln, anstatt die Überbringerin der schlechten Nachrichten zu beschimpfen.
Es ist unfassbar, wie selbstgerecht die Verfasserin des offenen Briefes ist und wie leicht sie es sich macht. Glaubt sie wirklich, unsere Generation habe aus selbst auferlegter Enthaltsamkeit und Bescheidenheit viel nachhaltiger gelebt als die heutige Jugend? Das ist natürlich einfach und äusserst angenehm für das Gewissen angesichts des aktuell katastrophalen Zustands unserer Erde. Aber wer hat denn unserer Jugend das ausufernde Leben vorgelebt, die auf Profit und Ausbeutung ausgerichteten Firmen/Fabriken gegründet und allgemein auf Globalisierung und den absurden Transport von Gütern – und Tieren! – um die halbe Welt gesetzt? Das waren wir und natürlich zum Teil auch unsere Eltern, welche unglücklicherweise Mangel und sogar auch Armut noch gekannt haben und – verständlich – das Wirtschaftswunder in der westlichen Welt freudig begrüsst haben und alle den neuen Wohlstand – auch verständlich – uneingeschränkt geniessen wollten. Wir selbst haben die nachfolgende Generation(v-)erzogen, ihnen die vielen herzig-bunten, billigen, aber leider auch giftigen Kleidchen angezogen, diese dann ungeniert durch neue ausgetauscht, anstatt zu flicken, das Holzspielzeug durch Plastik ersetzt, die Kinder auf Auto- und Flugreisen mitgenommen, ihnen jederzeit Fleisch und (nicht nur zu Weihnachten...) exotische Früchte vorgesetzt, sie an Fast und Convenience Food herangeführt; einfach, weil wir es konnten und immer noch können. Die Liste der «Wohltaten», die wir unseren Kindern und uns selbst angedeihen lassen und die in krassem Gegensatz zur Kindheit und Jugend der darbenden Journalistin stehen, liesse sich endlos fortsetzen; jedoch das, was diese Dame der Generation Greta vorwirft, ist einzig und allein auf uns selbst zurückzuführen. Das tut natürlich weh und ist (für die meisten von uns) beschämend, aber noch beschämender und grenzenlos dumm ist es, in ignorant-polternder Stammtischmanier Kinder dafür verantwortlich zu machen!


Barbara Vogt-Marock,
Eichholz 5, Balzers

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