Leserbrief

Nomen est Omen

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 21. Dezember 2019

Einst hatte ein Bauer am Grabserberg oben immer Pech im Stall. Mal ist ihm ein Schwein explodiert, dann wurde wieder sein «Muneli» vom eigenen Traktor über den Haufen gefahren und Kuh Elsa nahm auch nicht mehr auf. Und als auch noch der «Güggel» impotent wurde, war die Tragödie auf ihrem Höhepunkt angelangt und das viel gepriesene Bauernglück rückte in immer weitere Ferne. In letzter Verzweiflung suchte der Bauer Rat beim Pfarrer in Grabs unten. Dieser riet ihm, er solle doch einmal die drei Allerhöchsten anrufen. Diesem Rat folgte er schnurstracks schon am Abend, er ging aus dem Stall hinaus und rief voller Inbrunst in den klaren Sternenhimmel hinauf: «Vetsch, Eggenberger, Gantenbein». Und obwohl er das fortan jeden Abend machte, stellte sich das Glück im Stall nicht ein. Sogar Kuh Elsa machte den Abgang, sodass er nicht einmal mehr Milch zum Saufen hatte. Von den drei vermeintlich Allerhöchsten war am ehesten noch der Gantenbein der mit einer göttlichen Aura. Man sagt, der Name stamme aus dem Romanischen und wie diese Leute von dort kommend auf den Grabserberg hinaufgezogen sind, hiessen sie wahrscheinlich noch «Chantar bain». Also Schön Singer. Vielleicht haben die früher bei Hofe dem Bündner König eine heile Welt vorgaukeln dürfen, oder sie hatten in Kirchendiensten einen guten Draht zum lieben Gott, um aus dieser Position heraus gutes Wetter herbei zu singen, damit die Bauern heuen konnten. Glaubt man den Medien, ist heute die Lage der Menschheit fast noch tragischer wie jene dieses Bauern, dem es ohne Kuh letztendlich an den Kragen ging. Wie unsere Umweltministerin Dominique Halser von der Klimakonferenz kommend zu berichten weiss, sind ihre Erkenntnisse alarmierend und fordern uns zu raschem Handeln auf, wollen wir nicht das Schicksal des Bauern erleben, wobei uns aller Stall dieses unser Ländchen ist. Aber es gäbe Hoffnung, denn mit den in Klimafragen Allerhöchsten dieser Erde, nämlich der EU, den G-77 und China wären wir nun auf Augenhöhe. Wir brauchen also nicht mehr zu rufen, damit das Pech von unserem Stall fernbleibt, sondern können denen es gerade ins Gesicht sagen. Es wird immer deutlicher, dass das Klima, den Sonnenaktivitäten folgend, eine Trendwende macht und die globalen Temperaturen wieder sinken. Man rechnet, dass wir schon im Jahre 2050 eine sehr ungemütliche Kaltzeit haben werden. Um nicht erfrieren zu müssen, werden die Gretakinder froh sein, wenn sie in die beheizte Schule dürfen und eine Kuh hätten, die einen warmen Furz lässt.


Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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