Volksblatt Werbung
Leserbrief

Verantwortung

Ruth Ospelt,Herrengasse 25, Vaduz | 20. Dezember 2019

Derzeit macht ein offener Brief an die Klimaaktivistin Greta die Runde. Verfasserin ist die österreichische Journalistin Kornelia Kirchweger, geschrieben als Antwort auf die Wut-Rede Gretas vor der UNO. Sie unterstellt Greta grenzenlose Ahnungslosigkeit und der «Friday for Future»-Bewegung Scheinheiligkeit. «Kinder in Deinem Alter verursachen mehr CO2 als alle Jugendgenerationen davor.» Sie selbst sei in den 1960er-Jahren aufgewachsen und habe eine klimaneutrale Jugend gelebt. «Deshalb, liebe Greta, nimm lieber Deine Altersgenossen ins Gebet und widme ihnen Deinen Zorn. Bei uns ist er nämlich völlig fehl am Platz.» Das ist er nicht! Geboren im Jahre 1958, bezeichne ich meine Generation, plus minus 10 Jahre, als «Golden Generation». Wir hatten alle Möglichkeiten, aber noch keine Ahnung davon, in welch fatale Richtung wir mit unserem steigenden Konsum von Waren und Ressourcen steuern. Ich und Millionen andere hatten das Glück, die Welt beruflich wie privat per Flugzeug zu entdecken. Ich habe x-Tausende Meilen im Flugzeug zurückgelegt. Mein erstes Auto war ein Käfer, der auf der Fahrt ins Malbun einen halben Tank bleihaltiges Benzin verbrauchte. Es gab keine Abfalltrennung und Giftiges landete im selben Kübel. Kurz: Millionen von uns haben in den vergangenen 50 Jahren einen riesigen CO2-Fussabdruck hinterlassen. Von anderen klimaschädlichen Emissionen ganz zu schweigen. Die ersten Berichte (vor 30 Jahren!) wurden in den Wind geschlagen und heute herrscht das Klimachaos, vor dem man uns gewarnt hat. Die aktuellen Fakten sind alarmierend. Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt. Ich sehe meine Neffen und meine vier Grossnichten vor mir und frage mich, will ich ihnen einen derart geschundenen Planeten hinterlassen? Wir erleben einen unglaublichen Verlust der biologischen Artenvielfalt. Aktuell sind 30 178 Tier-und Pflanzenarten bedroht. Auf dem halben Globus brennt’s und im sonst «forztrockenen» Osten Afrikas gab es vor Kurzem flutähnliche Überschwemmungen, die die Ernten eines Jahres mitgerissen haben. Mehr Stürme, mehr Tornados, mehr Überschwemmungen, auch weil der Meeresspiegel schneller steigt als angenommen. Ja, ich mache mir Sorgen und nach Madrid sind sie nicht viel kleiner. Aber all das sind Gründe, weshalb ich Greta grössten Respekt zolle, die weltweite Klimabewegung absolut notwendig finde und sie unterstütze. Es sind längst nicht mehr nur Jugendliche, die für ein besseres Klima und unseren blauen Planeten auf die Strasse gehen.


Ruth Ospelt,
Herrengasse 25, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung