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Leserbrief

Halb volle Hohlpfosten

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 14. Dezember 2019

Wer kennt die nicht; die, die einfach zu Tausenden dastehen. Ohne Sinn, ohne Vernunft, ohne eigentliche Aufgabe und vollständig ohne Nutzen. Richtig, unsere depperten Eisenpfosten und ihre schweren Kettengehänge sind gemeint, obwohl sie ja gar nicht aus Eisen sind. Sie bewachen uns, sie drangsalieren uns, ermahnen uns und ihre schiere Anzahl erdrückt uns. Der Sockel ist aus Baustahl Werkstoffnummer S235JR+AR früher Stahl 37. Der konische Aufsatz besteht aus dekapiertem Stahlblech Nr. 1.0330 und ist aus zwei Hälften zusammengeschweisst. Obenauf die Kugel ist wahrscheinlich aus Stahlguss. Das, damit sie mit dem Stahlblech verschweisst werden kann. Wenn jemand an der Nummer interessiert ist, müsste er diese beim Bauamt erfragen, falls die das wissen. Und spätestens ab hier, wird der geneigte Leser merken, wo der geile Pinguin im Busche lauert. Richtig; das Ding ist innen tatsächlich hohl. Es ist also kein Vollpfosten, sondern ein Hohlpfosten. Einer, der sogar im Landtag hockt, erzählte einst, dass man diese Dinger in dieser altmodischen nostalgischen Art konstruiert hat, um dem Land zum einen eine gewisse Patina überzustreifen, zum anderen, um uns als immer schon Dagewesene zu manifestieren und auch um eine gewisse Urbanität zu erschaffen. Eigentlich der Höllenteufelswahnsinn, dass sich ein Land mit Hohlpfosten gewichtig machen muss. Da fragt man sich, welcher Vollpfosten kam denn auf diesen hohlen Furz? Eine kleine Anfrage an das Amt für Bau und Infragestruktur ergab sinngemäss, dass diese vielen Pfosten unerlässlich sind, weil sonst würde der Liechtensteiner Autofahrer überall, kreuz und quer, über Bürgersteige, Kreisel, Fluren, Gärten und Auen, grad so wie es ihm gefällt, einfach darüberbrausen und alles umnähen was ihm in die Quere kommt. Und spätestens ab hier müssten die Alarmglocken läuten. Tatsächlich scheint es, dass man dort in diesem unsäglichen Vaduz oben der Überzeugung ist, die Liechtensteiner Autofahrer wären alles Töttel, Verkehrsraudis und zu jeder Straftat fähige, kriminelle Halunken, die prophylaktisch und fürsorglich zwischen Eisenpfosten und Ketten einzusperren sind. Und da der Bürger obrigkeitshörig, das alles hinnimmt, stellt sich die Frage, zu welcher Art Pfosten er selber zu stellen wäre, wäre er aus Stahl. Und sollten wir wieder einmal Kretz mit dem Fürsten haben und jener verlässt uns tatsächlich, brauchen wir einen neuen Namen für unser Hohlstumpenland. Und was würde sich dann besser anbieten wie «Pfostomanien»?

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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