Leserbrief

16 088 Franken …

Liechtensteinische Ärztekammer | 4. Dezember 2019

... hat der Hilfsfonds der Ärztekammer in den Jahren 2017 bis 2019 für die Aufhebung bzw. Vermeidung von unmittelbar bevorstehenden Leistungsaufschüben bei den Krankenkassen ausgeschüttet. Darüber hinaus haben weitere karitative Einrichtungen grosse Geldmittel dafür aufgewendet, Menschen weiterhin Zugang zu dringend benötigten Leistungen der Krankenversicherung zu ermöglichen.
Dass karitative Einrichtungen sich gezwungen sehen, ihre Mittel in rauen Mengen für Krankenkassenprämien, Franchisen und Selbstbehalte einzusetzen, ist ein Armutszeugnis für das vielgelobte Sozialnetz Liechtensteins. Noch beschämender ist es, schwerkranken Menschen den Zugang zu Leistungen zu verweigern, obwohl sie willig wären, ihre Beiträge an die Krankenkassen abzuführen, dies jedoch schlichtweg finanziell nicht stemmen können.
Die gut 16 000 Franken, die die Ärztekammer in knapp drei Jahren ausschüttet hat, sind allesamt auf finanzielle Notsituationen zurückzuführen. Die oftmals in populistischer Manier kolportierten, aber nie bewiesenen Geschichten von neuen Felgen fürs Auto statt Bezahlung der Krankenkassenprämien dienen nur der Stimmungsmache und Ausgrenzung.
Am Mittwoch berät der Landtag in erster Lesung die gesetzliche Ausgestaltung des Leistungsaufschubs. Nachdem der Staatsgerichtshof diesen mangels Gesetzesgrundlage kassiert hatte, will die Regierung den Leistungsaufschub trotz zahlreicher Kritik der Vernehmlassungsteilnehmer im KVG zementieren. Die Ärztekammer appelliert an den Landtag, von der Regierung eine Differenzierung beim Leistungsaufschub einzufordern. Der Leistungsaufschub darf nicht diejenigen treffen, die aus finanzieller Not und trotz des vielgelobten Sozialnetzes nicht bezahlen können. Auch muss eine klare gesetzliche Regelung geschaffen werden, was unter «Notfallleistungen» zu verstehen ist, welche trotz Leistungsaufschub weiterhin bezahlt werden müssen. Die heutige Krankenkassenpraxis, dass unmittelbare Lebensgefahr vorliegen muss, ist deutlich zu restriktiv.

Liechtensteinische Ärztekammer

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung