Leserbrief

Sexismus in Museen

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren | 2. Dezember 2019

Von «HalbeHalbe» abgesehen, läuft die Debatte um sexistische Diskriminierung Gefahr, vom Plastik- und Klimaproblem verdrängt zu werden. Das darf nicht sein. Dabei ist ein «skandalöser Missstand» in Sachen Gleichstellung kaum zur Kenntnis genommen und schon gar nicht an den Pranger gestellt worden, schreibt Patrick Imhasly in der «NZZaS» vom 24. November. Ein britisch-australisches Forschungsteam hat fast 2,5 Millionen Exponate in den grossen Naturkundemuseen von London, Paris, New York, Washington und Chicago genauer angeschaut. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Es gibt mehr ausgestopfte Männchen als Weibchen. Nicht einmal bei den Säugetieren wird die Hälfte erreicht, das wahre Ausmass der Diskriminierung zeigt sich jedoch in den Details: Bei manchen Spatzen beträgt der Anteil der Weibchen mickrige 10 Prozent, bei Schafen und Wieseln je 24 Prozent und selbst bei den Paarhufern nicht einmal 40 Prozent. Und nichts ist besser geworden. Der Weibchenanteil in den Sammlungen ist in den vergangenen 130 Jahren sogar zurückgegangen, besonders bei jenen Arten, bei denen die Weibchen grau und unscheinbar sind. Auch in unserem Landesmuseum ist eine kleine zoologische Ausstellung beherbergt. Es wäre im Zuge des Zeitgeistes dringend erforderlich, dass auch hier eine Untersuchung des Geschlechts der Exponate vorgenommen wird, es sei denn, man erachte die Betonung von Unterschieden zwischen den Geschlechtern in der Gleichstellungsdebatte als total verpönt.

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren

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