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Leserbrief

Liebe Fraktion der Freien Liste,

Leila Frick-Marxer,Rheinstrasse 22, Balzers | 25. November 2019

Ihre Bedenken müssen sicherlich in der Abwägung zwischen Pros und Contras für die Erhöhung des Kinderabzugs mitberücksichtigt werden. Allerdings erlaube ich mir, Ihnen noch einige Gedanken mit auf den Weg zu geben. Beim bevorstehenden Kinderabzug sollte es nicht nur um die Entlastung von Familien mit niedrigen Einkommen gehen, sondern der Abzug hätte meines Erachtens weit mehr an Bedeutung:
Kinder sind das Kapital unserer Gesellschaft. Unser gesamtes Gesellschaftssystem hängt von den nächsten Generationen ab. Ohne diese funktioniert unser gesamtes Sozialsystem (AHV, FAK, Pensionskasse etc.) nicht. Die Vorsorge unseres Gesellschaftssystems sollte deshalb ein wichtiges Ziel der Politik sein. In Familien zu investieren und diese zu fördern, ist ein Mittel hierzu.
Wenn Sie nun bemängeln, dass dem Staat durch den Kinderabzug Steuereinnahmen entgehen, und Schweizer Politiker zitieren, so muss doch darauf hingewiesen werden, dass im Gegensatz zur Schweiz (auch zu Österreich und zu vielen anderen europäischen Ländern) der liechtensteinische Staat Drittbetreuungskosten besteuert. D. h. der Staat macht Profit mit «Einkommen», welches einer Familie (die auf Drittbetreuung angewiesen ist) gar nicht zur Verfügung steht. Im Vergleich dazu dürfen z. B. Kosten für «Benzin» und «auswärtige Verpflegung» vom steuerbaren Erwerb abgezogen werden.
Dementsprechend wäre die Erhöhung des Kinderabzugs auch eine Genugtuung für Familien, welche von obiger Benachteiligung in Liechtenstein betroffen sind, und zwar in erster Linie zugunsten der (teilzeit-)arbeitenden Mütter und damit im Sinne der Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf (vgl. auch Schweizer Botschaft zur Einführung des Kinderbetreuungsabzugs).
Gleichzeitig stellt die Erhöhung des Kinderabzugs auch Familienmodelle zufrieden, bei welchen die Kinder selber oder innerfamiliär betreut werden, da diese Modelle ebenfalls vom Abzug profitieren.
Schlussendlich ist es eine Interessenabwägung. Ein guter Kompromiss ist meines Erachtens erreicht, wenn zwar nicht alle zufrieden gestellt werden können, die Lösung aber für alle einigermassen fair und akzeptabel ist.
Selbstverständlich wäre es denkbar, zusätzlich die bereits bestehenden Zusatzleistungen bzw. Unterstützungsbeiträge (ausserhalb des Steuersystems bzw. des Systems des Kinderabzugs) für Familien mit niedrigen Einkommen zu erhöhen.

Leila Frick-Marxer,
Rheinstrasse 22, Balzers

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