Leserbrief

30 Jahre Mauerfall

Jens Ockert,Proderstrasse 9, Sargans | 23. November 2019

Zum GIS-Beitrag im «Volksblatt» vom Freitag, den 22. November:
«Divide et impera» muss wohl die machtpolitische Devise von Politikern, deren Journalisten und sonstigen Welterklärern sein, damit ein Staat wie Deutschland in Schach zu halten ist? Die scheinbar tiefgehende Analyse von Prof. Wohlgemuth greift vielleicht zu kurz und ist zu sehr die Sicht eines Kolonialisten, wie sie 1990 zahlreich in der zweiten und dritten Welle in den Osten strömten. Die DDR war sittlich, moralisch und wirtschaftlich tatsächlich bereits in den 1980er-Jahren am Ende. Bundeskanzler Kohl war Ende der 1980er-Jahre seinerseits in den eigenen Reihen politisch unter Druck geraten, die bundesdeutsche Wirtschaft ohne wirkliche Wachstumsperspektiven und stand an der Schwelle zur Rezession. Die Steuerbillionen Richtung Ostdeutschland und die Hoffnung auf ein besseres und freibestimmtes Leben im Osten retteten der CDU Wahlsiege damit auch im Westen und bescherten der bundesdeutschen Wirtschaft aberwitzige Gewinne aus den Umsatzexplosionen westdeutscher Waren in den neuen Bundesländern, ohne dort wirklich investieren zu müssen. Die sich anbahnende Krise in der Bundesrepublik war nun aufgeschoben. Jetzt, da sie wieder Platz zu greifen scheint, liebt man, in Herrschaftskreisen mit dem Finger auf den Osten zu zeigen, damit sich niemand der Verantwortung und existenziellen Reformen stellen muss. CDU und SPD haben in ganz Deutschland deswegen Wählerstimmen vor allem in der vernachlässigten Mitte verloren. Das war es aber auch noch nicht. Jetzt liegt der Ball wieder in der Mitte, da bin ich wieder bei Prof. Wohlgemuth.


Jens Ockert,
Proderstrasse 9, Sargans

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