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Leserbrief

Wider Ihre Durchlaucht – Wurzeln

Sigmund Elkuch,St. Florinsgasse 18, Vaduz | 20. November 2019

Vergangene Woche hat sich unser Landesfürst gegen das Landesspital ausgesprochen. Ich habe für seine Ansicht volles Verständnis. Begründung: Vor 400 Jahren sind meine Vorfahren aus dem Süddeutschen Raum den Rhein aufwärts in dieser Gegend gestrandet. Die Untertanen waren von Herr- und Grafschaften mit abwechselnden Herrschern zu Kriegsdiensten und Abgaben gezwungen. Bis sie aus Geldnot ihre Länder zum Verkauf freigeben mussten. In jener Zeit war in der Donaugegend ein erfolgreicher Kriegsherr aus besitzstrategischen Gründen gezwungen, um an der Reichsunmittelbarkeit teilnehmen zu können, Länder mit einer gewissen Grösse vorzuweisen. Da kam ihm die angebotene Herrschaft Schellenberg und später dann die Grafschaft Vaduz gerade richtig. Es war sicherlich Gottes Vorsehung, dass diese Gegend endlich einen leuchtenden Namen bekam. Liechtenstein, hervorgegangen von dem Vorfahren Hugo beim lichten Stein. Ich habe den Stein, so gross wie ein kleines Schloss daneben, in welchem besagter Hugo wohnte, gesehen. Also aus dem Hause Liechtenstein floss in den folgenden Jahrhunderten sehr viel Geld hierher – für den Bau von Kirchen, Häusern und Infrastruktur. Ohne dieses Entwicklungsgeld würden wir vermutlich immer noch Geissen herumjagen und auf der Schlossruine Vaduz Verstecken spielen. Aber so entwickelte sich unsere Gegend zu einem erfolgreichen Agrarland. Am 25. Juli 1938 starb unser Fürst in Wien. Mein Vater, damals Vorsteher in Schellenberg, war als solcher verpflichtet, an der Beerdigung teilzunehmen. Am 29., am Tag der Beisetzung, kam ich zur Welt. Ich schrie nach meinem Vater, er aber war nicht da. Aber ich war mit dem neuen Fürsten Franz Josef in meiner Einbildung stark verbunden. Wir haben praktisch am selben Tag das Licht von Liechtenstein erblickt. Er als Fürst und ich als Liechtensteiner. Fürst Franz Josef hat seine Kinder nach der Volksschule in die weite Welt geschickt, um Wissen für unser Land zu holen. Diese haben vermutlich mehr Tage im Ausland als in unserem Land verbracht. Wenn sie mal ein gesundheitliches Problem haben, können sie sich auch auf der ganzen Welt in den besten Kliniken behandeln lassen, aber vermutlich nicht in Vaduz. Da fehlen ihnen die Wurzeln. Wir, das Fussvolk im Land, zum Teil seit Urzeiten in dieser Gegend, haben lange, kräftige Wurzeln geschlagen und diese reichen weit in unseren Boden. Diese Menschen möchten hier geboren werden und auch sterben – und die Wehwehchen dazwischen (wie Beinbruch oder Blinddarm und Co.) ebenfalls hier behandeln lassen. Deshalb brauchen wir ein neues Spital. Im reichsten Staat der Welt sollte man sich nicht in einem von Dauerreparaturen anfälligem Gebäude behandeln lassen müssen. Jedenfalls habe ich vergangene Woche mit 100-prozentiger Überzeugung mit einem Ja den Stimmzettel bei der Gemeinde abgegeben. Ich stehe aber sonst voll hinter unserem Fürstenhause und weiss, was alles für unser Land tut.

Sigmund Elkuch,
St. Florinsgasse 18, Vaduz

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