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Leserbrief

Die Henne und das Türkenkörnle?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 14. November 2019

Endlich ist das Spitalgeschwätz auf Liechtensteiner Niveau angelangt. Hass, Neid, Missgunst, Ellbogengehabe, Baugeilheit und die: «Müar sind o epper»-Logik haben obsiegt. Da verkündet eine «Sie» in ihrem Leserbrief, alles andere als ein «Ja» zum neuen Spital wäre «Schwachsinn», obwohl sie sich noch kurz davor gegen das Abknallen der Biber in Rage geschrieben hatte, nicht sehend, dass viele Menschen im Lande die Pläne für ein neues Spital für weit abknallenswerter halten. Und die Spitaloberärztin streut noch ihren Witz, worauf einer ein Kuchenblech zückt, um hernach zu schreiben, man könne ein Gebäude, selbst ein solches auf der grünen Wiese, gegen den Lärm abschotten, obwohl ein Spital ja doch ein «24h-7d»-Betrieb und keine Schlafstätte wäre. Weiter ist zu lesen, dass wenn man ein Spital an die Landesgrenze baut, es dann zentraler liege. Und den Vogel schiessen die umsatzwitternden Grenadiere der Wirtschaftskammer ab, die man durch die Kellerräume des Spitals schleust, um ein verrostetes Röhrlein ausfindig zu machen. Natürlich finden die ein solches und posaunen, deshalb wäre ein Abriss unumgänglich. Die Buslinie 24 nach Sevelen startet erst um halb sieben und ruht dann nach vier Takten von 8 bis 12 Uhr. Am Wochenende fährt sie gar nicht, während beim bestehenden Spital alle zehn Minuten ein Bus vorbeikommt. Dass unsere Grossparteien diesen unwürdigen, zum Teil an Primitivität nicht mehr zu unterbietenden Diskussionen nicht Einhalt gebieten, sondern sie noch bei jeder Gelegenheit befeuern, befremdet nicht weiter, sind doch Seilschaften dazu da, mit ihnen aufzublühen. Das Geld des Landes muss unter die Arme der Schaltafeloligarchen und der einfachste Weg ist, es direkt in die Betonmischer zu stopfen, denn dort drinnen sind kräftige Wählerstimmen, die für einen Fortbestand dessen sorgen, was wir so lieben. Nämlich unser beschauliches Ländchen, das mit all seinen Kuriositäten, im noch vorhandenen und dank den Spielhöllen nicht versiegenden Geldsegen noch lange ohne Sinn und Ziel weiterzutaumeln hat. Schon längst sind die Kernfragen, wie Kooperation, grundsätzliche Notwendigkeit, Entpolitisierung, Entpersonifizierung aus den Medien verschwunden.
Nach dem Studium all dieser beschämenden Diskussionen für eine Spitalversorgung bleibt: Man sollte die Abstimmung dergestalt ändern, indem man in einen Hennengatter mit 100 Hennen 100 «Türkenkörnli» hineinwirft. Werden alle gefressen, wird gebaut. Wenn nicht, werden die Hennen geköpft.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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