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Leserbrief

Ein kostspieliger Alleingang droht

DU – die Unabhängigen | 14. November 2019

Regierungsrat Mauro Pedrazzini ist bekannt dafür, ein kühler Rechner zu sein. Was er in den letzten Jahren konsequent bekämpft hat, ist die «angebotsinduzierte Nachfrage». Dieses Phänomen ist im Gesundheitswesen seit Langem bekannt. Simpel ausgedrückt, bedeutet es nichts anderes als z. B., dass die Kosten steigen, je mehr Ärzte tätig sind. Deshalb war Pedrazzini bisher zurückhaltend mit der Vergabe von OKP-Zulassungen.
Was wird wohl geschehen, wenn in einem neuen Landesspital das Angebot ausgeweitet wird? Die Kosten werden steigen. Gesundheitsminister Pedrazzini müsste also gegen den Spitalneubau sein, weil der Neubau steigende Kosten mit sich bringen wird.
Befürwortern des Neubaus wird in Aussicht gestellt, dass in einem neuen Landesspital auch wieder eine Gebärstation möglich sei. Mit dem «Popili-Argument» wird für den Neubau geworben. Vor fünf Jahren wurde die Gebärstation im Landesspital aufgegeben, weil nicht mehr genügend Belegärzte vorhanden waren, die rund um die Uhr sieben Tage in der Woche Geburtshilfe leisten wollten oder konnten. Eine durchgehende, qualitativ hochstehende Betreuung konnte nicht mehr garantiert werden. Deshalb wurde die Gebärstation aufgegeben bzw. die Geburtshilfe ans Spital Grabs delegiert.
Warum sollte das in einem Neubau anders werden? Bei einer neuen Gebärstation muss halt eben auch berücksichtigt werden, dass man bei null anfängt. Wie will man gutes, geschultes Personal bekommen, das die halbe Zeit herumsteht? Deswegen gibt es Mindestfallzahlen, die nicht nur ein Gradmesser für den finanziellen Erfolg sind, sondern eben auch die gesamten Vorhalteleistungen (z. B. Belegschaft, die es für die Aufrechterhaltung einer Geburtenstation braucht) in Relation setzen. Fallzahlen haben eine Auswirkung auf die Qualität. Die Angestellten, die unterbeschäftigt sein werden, werden sich anderen Aufgaben widmen, etwa mit Sprechstunden oder anderen Behandlungen. Somit konkurrenzieren sie nicht nur unsere Hausärzte, sondern schaffen mehr Angebot: mehr Angebot, mehr Nachfrage, höhere Kosten! Wird es deswegen aber mehr Geburten geben, wenn wir im Neubau wieder eine Gebärstation haben?
Das «Popili-Argument» ist im Übrigen auch Teil des Konkurrenzkampfes mit Grabs. Es kann aber nicht die Absicht von Gesundheitsminister Pedrazzini sein, mit einem Spitalneubau zu versuchen, den Spitälern in der Region, insbesondere dem Spital Grabs, wieder Geburten abzuluchsen. Es ist deshalb unglaubwürdig, wenn er sagt, dass in einem Neubau auch wieder eine Geburtenstation möglich sei.
In einem Gutachten, das von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, ist unmissverständlich nachzulesen, dass der Betrieb eines Spitals in Liechtenstein eigentlich ein Luxus ist. Damit ein Spital effizient betrieben werden könne, hinsichtlich Qualität und den Finanzen, sollte es 5000 sogenannte Fallzahlen geben. In Liechtenstein kommen wir aber nur auf rund 2000 Fallzahlen pro Jahr. Es fehlen uns also 3000, mehr als 50 Prozent.
Wir haben ein gut funktionierendes, in den letzten Jahren gründlich restauriertes und mit vielen Millionen aufgemöbeltes Landesspital. Wir wollen ein Landesspital, auch wenn es uns einiges kostet. Aber einen Neubau, das brauchen wir nicht, da macht man uns etwas vor.
Wie frühere Alleingänge (Post, Telecom) wird uns ein Alleingang im Gesundheitswesen teuer zu stehen kommen.
Es spricht zu viel dagegen – darum ein klares Nein zum Spitalneubau!

DU – die Unabhängigen

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