Leserbrief

Backe, backe Kuchen, der Risch, der hat gerufen

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 30. Oktober 2019

Leopold Mozart wurde am 14. November 1719 in Augsburg als Sohn des Buchbinders Mozart und seiner Frau, einer Sulzer, bei deren Namen man heutzutage immer an künstliche Knie und Hüftgelenke denkt, geboren. Feiert also mit uns heuer seinen dreihundertjährigen Geburtstag. Das Studium der Jurisprudenz brachte er nicht zu Ende, weil vom Inhalt der Bücher, die sein Vater band, hatte er bald genug, fortan er lieber die Orgel schlug. Als Leopolds Todesursache ist «Magenverhärtung» dokumentiert. Diese lockere mozartsche Kurzbiografie birgt in Tat und Wahrheit einen in der Tiefe nicht mehr zu übertreffenden modrigen Schlund an Zufälligkeiten mit unserem beschaulichen Lande. So schreibt der Herr Doktor Gert Risch in seinem Leserbrief am letzten Samstag: «Vom Kuchenbacken und dem Landesspital». Kuchen zu Hause backen koste weniger, wie wenn man ihn beim Konditor kaufe. Tue man das, würde jener reich, selber aber gehe man schnell einmal «tschari», also zu Scherben. Hier aber gilt es nachzudenken und dem Geist Möglichkeit geben, sich zu entfalten. Backe ich zu Hause einen Kuchen, muss ich erst die Ausrüstung kaufen. Backofen, Geschirrspüler, Kuchenblech, Wallholz, Schneebesen, Teigrührer, Backpapier, Kuchenmesser, Kuchenschaufel, Küchenschürze usw. Dann die Zutaten: Mehl, Eier, Treibmittel, Backpulver, Schokoladenpulver, Geschmacksvertärker, Zucker, Milch, Rahm, Vanillearoma, Zimtstängel, Zitrone, Butter und solle es die Zuger Kirsch sein, auch noch Kirschen und Kirschenschnaps, womit die Tragödie ihrem eigenen Lauf ausgeliefert ist. Mehl kann ich nicht nur 3 Deka kaufen, sondern muss ein ganzes Kilo nach Hause schleppen. Kirschen geben die mir auch nicht einzeln, Zimtstängel schon gar nicht. Selbst ein Stamperle Kirsch vom Schnapsbauern ist nicht machbar, weil der mich mit meinem Wunsch einen Vollidioten nennen würde, womit mir recht geschähe. Nun also backe ich zu Hause und schon sehe ich mich mit einem Berg Problemen konfrontiert. Vom LKW kommt bald eine Stromrechnung für Backofen, Waschmaschine, Geschirrspüler, dass mir der Solarplexus erhärtet, und sehe ich mich mit Schränken voll Resten konfrontiert, welche ich am nächsten Tag bei der nächsten Torte verwenden muss. Mutiere also zum lebenslangen Kuchenfresser und ende wie einst Mozart, welchem die Mozartkugel auch den Magen verdorben hat und der wie unsere Konditoren «tschari» ging und die der Tod erlöste vor einem Ableben als Versuchskaninchen in einem irren Spitalneubau.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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