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Leserbrief

Geld für Beton, aber nicht für Menschen

Dr. med. Ruth Kranz, Landstrasse 344, Triesen | 26. Oktober 2019

Ich finde es schön, immer wieder in den Zeitungen zu lesen, dass wir in einem reichen Land wohnen, welches über 2 Milliarden auf der hohen Kante hat und die jährlichen Überschüsse des Staates jeweils im dreistelligen Millionenbereich liegen.
Keine Frage also. Ob wir uns ein neues Spital leisten können.
Wenn wir aber schon so reich sind, warum wird dann im Zuge der Diskussionen um das Gesundheitswesen nicht ein Wort darüber verloren, ob die Entscheidung vor vier Jahren, die Mindestfranchise und den Selbstbehalt massiv zu erhöhen und somit die kranken Mitbürger vermehrt zur Kasse zu bitten, immer noch gerechtfertigt ist? Sollte sich der Landtag nicht fragen, ob es menschlich vertretbar ist, ein neues Spital für mindestens 72,5 Millionen Franken zuzüglich ca. 10 Millionen für das Grundstück (ebenfalls Teil des Finanzbeschlusses des Landtages) zu bauen und gleichzeitig den Familien, dem unteren Mittelstand und den einkommensschwachen Mitbürgern faktisch den freien Zugang zu einer guten Grundversorgung zu verwehren? Ich persönlich fände es an der Zeit, dass die Politik sich nicht nur Gedanken um einen Neubau des Landesspitals macht, sondern sich auch fragt, ob die einst unter einem «Spardruck» getroffenen Entscheidungen nun aufgrund der üppigen Ertragsüberschüsse nicht wieder korrigiert werden sollten.
Alle, die mir jetzt sofort unterstellen werden, dass meine Meinung auf wirtschaftlichen Eigeninteressen beruht, kann ich beruhigen: Unsere Gemeinschaftspraxis hat ihre Kapazitätsgrenzen längst erreicht, wie übrigens fast alle anderen Hausarztpraxen im Land auch. Wir als Ärzte erfahren tagtäglich hautnah, wie sehr unsere Patienten unter den hohen Selbstkosten leiden und ich möchte den hohen Landtag und die Regierung daher dringend auffordern, auch diese Thematik nochmals breit zu diskutieren und zwar zeitnah angesichts unserer offenbar komfortablen finanziellen Lage.


Dr. med. Ruth Kranz, Landstrasse 344, Triesen

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