Leserbrief

Nein zu diesem Spitalneubau

Landtagsfraktion der Freien Liste | 19. Oktober 2019

Am 24. November stimmen die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner erneut über ein neues Spitalgebäude ab. Vor acht Jahren hatte das Volk schon einmal deutlich Nein gesagt zu einem solchen Neubau. Die Ausgangslage ist praktisch die gleiche wie 2011, nur mutet das jetzige Vorhaben noch abenteuer­licher an: Auch im aktuellen Vorschlag werden das medizinische Versorgungskonzept und das ­Leistungsangebot (d. h. die Leistung­en, die in diesem Spital ­angeboten werden) nicht diskutiert. Nach wie vor nimmt die Regierung eine ruinöse Konkurrenzsituation mit den umliegenden Spitälern in Kauf, allen voran Grabs – dies, obwohl die Entwicklung allerorts in Richtung Kooperation von Spitälern voranschreitet. Auch im neuen Gebäude konkurrenziert das Landesspital die Hausärztinnen und Hausärzte, die die ambulante Grundversorgung der Bevölkerung kosteneffizienter und wohnortsnaher anbieten. Die Kosten bleiben gegenüber dem ­Projekt 2011 praktisch unverändert, obwohl die Anzahl Betten sich von damals 80 auf geplant 40 Betten halbieren soll. Das heisst, wir würden doppelt so viel pro Bett zahlen im Vergleich zum Vorschlag von 2011. Ohne Begründung. Laut Re­gierungsbericht muss die Anzahl Fälle bei 5000 pro Jahr liegen. Die Frage, wie man mit 40 Betten das Ziel von 5000 stationären Fällen (Behandlungen, bei denen die Patientinnen und Patienten ins Spital eintreten) erreicht, ist ungewiss. Zum Vergleich: Heute, d. h. im Jahre 2019, behandelt das Landesspital mit 35 Betten voraussichtlich 2000 Fälle.
Die Menschen in Liechtenstein ­haben vom neuen Spitalgebäude keinen Mehrwert – auch 2019 nicht. Abgestimmt wird wieder bloss über eine Gebäudehülle, die sich noch nicht einmal an den medizinischen Bedürfnissen orientiert: Nach wie vor nicht abgedeckt ist die ­medizinische Versorgung älterer Menschen (geriatrische Pflege). Die Freie Liste ist überzeugt, dass ­gerade angesichts der Bevölkerungsentwicklung die wohnortsnahe geriatrische Versorgung ein Fokus sein muss. Das schulden wir unseren Seniorinnen und Senioren, die unser Land in den letzten 40, 50 und mehr Jahren aufgebaut haben. Auch das von der Regierung gern zitierte Argument einer Neueröffnung der Geburtenstation scheitert an der Realität: Mindestens 500 Geburten (Fallzahlen) wären für eine qualitativ einwandfreie Versorgung notwendig – realistisch sind rund 200.
Die Landtagsfraktion der Freien Liste sagt Nein zum Neubau des Spitalgebäudes. Durch die Ablehnung erhalten wir die Chance, ein medizinisches Versorgungskonzept zu entwickeln, in dem die regionalen Akteure kooperieren und die Patientinnen und Patienten und ihre Gesundheit im Fokus stehen.

Landtagsfraktion der Freien Liste

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