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Leserbrief

Keine Verantwortlichen für offensichtliche Fehler am Bau?

Willy Marxer, Spiegelstrasse 103, Ruggell | 18. Oktober 2019

Ich danke Herrn Kunz vom Amt für Bau und Infrastruktur (ABI) für seine Beantwortung meiner Fragen zur Sanierung des Landtagsgebäudes. Keine angenehme Aufgabe ist ihm da als «Erbe» zugefallen. Den Sachverhalt, wie er ihn mir schildert, habe ich eigentlich schon erwartet. Damit reiht sich das Landtagsgebäude als Baugarantie-Flopp in die Liste all jener Fälle ein, welche man über die Landesgrenzen hinaus kennt, entweder als gescheitertes Kunstmuseum-Projekt der 80er-Jahre oder als Landes-Finanz-Beteiligungs-Flopp, als Postskandal, als Pensionskassa-Skandal von 2014 u. a. mehr. Schade!
All die genannten Ereignisse haben meines Erachtens gemeinsam, dass jeweils unrühmlich agierende Landesangestellte, externe Spezialisten und Berater oder politische Entscheidungsträger beteiligt waren, was dann unter deren Mitwirkung fallweise zu den bekannten Verlusten in mehrstelliger Millionenhöhe führte. Die Verantwortung dafür scheint jeweils vom Auftraggeber Land Liechtenstein oder der Regierung nicht mit letzter Konsequenz eingefordert und (vertraglich) durchgesetzt worden zu sein, denn sonst hätten gewisse Leute schon vor Jahren zumindest ihren Arbeitsplatz im Amt räumen müssen, ihren Auftrag oder ihr Mandat verloren und fehlhafte Unternehmer oder falsche Berater und Experten etc. hätten wohl vom Land keinen Anschlussauftrag mehr erhalten. Das wär in meinen Augen normal.
Doch trotz einer offensichtlichen Fehlentscheidung bei der Wahl des Materials für die Dacheindeckung im neusten Fall des Landtagsgebäudes gibt es angeblich wieder keine Schuldigen. Ein echtes Phänomen! Wie durch ein Wunder, wieder niemand, der zur Verantwortung herangezogen werden kann. Keiner, der kostenpflichtig wird, ausser eben der Staat, mit (vorläufig) 800 000 Franken!
Für mich ist klar: Wunder dieser Art gibt es nicht. Drum stellt sich die Frage nach möglichen Schlupflöchern in den Arbeitsverträgen zwischen Land und Landesangestellten einerseits, sowie in den Werkverträgen zwischen Land und Unternehmern andrerseits. Verantwortliche gäbe es meines Erachtens aber bereits schon dann, falls das Land oder die Regierung Verträge abgeschlossen hätten, welche dazu führen, was wir jetzt grad zum wiederholten Mal schon haben, nämlich – keine Verantwortlichen für offensichtliche Fehler, diesmal am Bau.

Willy Marxer, Spiegelstrasse 103, Ruggell

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