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Leserbrief

Materie, Geist und blinde Baugier

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 17. Oktober 2019

In Anbetracht dessen, das ausser von der Freien Liste noch keine Anzeichen zu den wichtigsten Spitalfragen aufgetaucht sind, kann man wohl heute schon sagen, dass das neue Spital, sollte es dereinst aller Vernunft zum Trotz realisiert werden, das neue Kabinettstück Liechtensteiner Unverstands zu werden droht. Kabinettstück im Sinne von schauspielerischen Theaterszenen, im kleinformatigen Meisterwerk. Aber auch die Freie Liste ist mit ihrem Ruf nach den beiden Kernfragen, mit welchen sie wohl die OKP-Verträge und/oder die Fallzahlen meint, noch weit entfernt von Fragen, ohne deren Beantwortung ein neues Spital nicht gebaut werden darf. Auf dem Weg vom ganz alten Krankenhaus, welches durch private Gönner immer wieder erneuert werden konnte und baulich noch nie so schlecht bestellt war, dass die Patienten in den Gängen schlafen mussten, war der Betrieb immer zufriedenstellend gewährleistet. ­Dies änderte sich, wie im Jahre 2000 das Land dort das Sagen hatte. Hernach funktionierte teilweise gar nichts mehr und eine Tragödie folgte der nächsten und das, obwohl man in den Bau immer genügend investierte. Das ändern auch die nur ein paar Monate alten guten Zahlen nicht. Damit sind wir bei der wichtigsten Frage angelangt, nämlich: Warum war das so? Und wie kann es gelingen, ein Konzept zu erarbeiten, welches das Ganze so entpersonifiziert, damit für Generationen gewährleistet ist, dass nicht ein Gesundheitsminister mit dem Rücken zur Wand lechzend nach Amtsberechtigung, ein Chefarzt mit Starallüren oder renitentes Pflegepersonal den Ruf und die Funktion schädigen können? Die Spitalfrage muss dauerhaft entpolitisiert und entpersonifiziert werden. Es gibt genügend Betriebe im Lande, die erfolgreich sind, weil sie kleinen Königen periodisch die Flügel stutzen und nur ihre Vision und das Ziel verfolgen. Da das Land bis heute noch bei fast jedem Projekt den Dilettantismus neu erfindet, ist dies auch bei einem Spitalneubau abzusehen. Denn wie so oft in der Baugeschichte Liechtensteins werden die eingesetzten Kommissionen ihre Verantwortung billig dem Architekten, den Baulobbyisten und Interessenverbänden überlassen. Wird die Architektenwahl der gleiche Missgriff wie bei der Ziegelhütte, wird wohl im neuen Spital der Sterberaum neben dem Gebärsaal zu liegen kommen und weitsichtig auch gleich eine Verbindungstür haben. Den Gebärsaal wird er mit Teppich auslegen, damit wenn der Neuliechtensteiner auf den Boden fällt, es nicht so hohl knallt.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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