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Leserbrief

«Erst kommt das Fressen, dann die Moral»

Adolf Ritter,Töbeleweg 9, Mauren | 5. Oktober 2019

Wie das Schloss denkt und was es sagt, hat Gewicht, ist Gewissen und Leitlinie zugleich, setzt moralische Massstäbe, repräsentiert sozusagen das Gemeinsame. Deutlich wird das u.a. in der Frage des Schwangerschaftsabbruchs, wo die moralfromme Empfindlichkeit des Fürsten auch der moralische Kompass für uns alle ist. Nicht ganz so hoch liegt die Messlatte, wenn Geld ins Spiel kommt. Da bröckelt die Moral. Die fürstliche Rechtfertigung «Wo es Steuerwüsten gibt, gibt es auch Steueroasen» war jahrzehntelang der Persilschein für das Füllen der Taschen mit schmutzigem Geld. Der fürstliche Segen hat uns vor Scham bewahrt. Zur Besinnung gekommen sind wir erst, als unser Ansehen und unser Finanzplatz im Keller waren, wir überall am Pranger standen und uns die USA und die EU den Hahn zudrehten und so die fürstliche Oasen-Theorie kassierten bzw. die fürstliche Moral korrigierten.
Jetzt haben findige Geschäftsleute mit dem Segen des Fürsten die ausgetrocknete «Steueroase» durch die neue Geldmaschine «Casino» ersetzt. Das Geschäftsmodell beruht auf den gleichen Prinzipien: der Gier, der menschlichen Schwäche und der Ausbeutung. Es garantiert mit wenig Eigenleistung maximalen Gewinn und ist vor allem für die Betreiber ein lukratives Geschäft; im Gegensatz zur Schweiz sind die Auflagen für eine Lizenz einfach und es werden deutlich weniger Abgaben eingezogen. Wie viele Casinos es am Ende sind, ist dem Fürsten egal und moralische Bedenken hat er keine: «Die Leute, die spielen wollen, werden spielen – ob nun hier in einem Casino oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem.» Heisst übersetzt: Wenn nicht wir den Leuten das Geld abnehmen, dann machen es andere!
Es ist beschämend, dass die Regierung und ein Grossteil unserer Volksvertreterinnen und -vertreter die fürstliche Haltung vorbehaltlos übernehmen und den Interessen der mit Millionen vergoldeten Investoren bereitwillig Tür und Tor öffnen. Offenbar wird verdrängt oder naiv in Kauf genommen, dass mit dem Etikett der Spielhölle und der Abzocke der Absturz in einen neuen Imageschaden droht. Gandhi hat einmal gesagt: «Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.» Das gilt auch für unser Land. Wir sollten diesem Treiben ein Ende setzen.

Adolf Ritter,
Töbeleweg 9, Mauren

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