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Leserbrief

Rotkäppchen macht eine nicht repräsentative Umfrage

Walter Kranz, St. Luzistrasse 12, Vaduz, Mitglied des Initiativ- komitees... | 25. September 2019

Killersätze sind Leerformeln, sie enthalten keine Argumente. Sie werden deshalb auch «Müllphrasen» genannt. Sie blockieren das Gespräch und schaffen Fronten. Killersätze werden oft und gerne angewandt, um sich gegen neue Ideen zu stemmen. Die Klassiker lauten: «Das haben wir immer so gemacht!», «Das haben wir nie so gemacht!», «Das haben wir x-mal versucht, es geht bei uns nicht!», «Es bringt sowieso nichts!» und «Da könnte ja jeder kommen, oder jede!» oder «Wo kommst du denn her?».
«Blöd» ist, wenn die Idee aus der falschen Ecke kommt. Manchmal heisst man die Idee an und für sich gut, aber sie komme zu spät. Oder zu früh. Wahrsager nageln es an die Wand: «Das wird keine Mehrheit finden!» Aktuell werden die Abwehrstrategien angereichert durch Märchenstoff. Ein Politiker setzt die Geschichte in die Welt vom Wolf im Schafspelz, der durch die Hintertür kommt. Alarm! Rotkäppchen oder Rotkäpperich macht flink eine nicht repräsentative Umfrage. Der grössere Teil der Teilnehmer spielt mit, übernimmt das Gerücht, der Wolf sei quotig und pfui.
Wie in Märchen und Dramen kommt auch bei der aktuellen Initiative die Wende. Es wird bekannt, dass der Besuch kein Schaf ist und kein Wolf, dass er immer an der Vordertür steht, ehrlich und offen. Dass er für eine gute Sache eintritt.
Eine repräsentative Abstimmung wird angesetzt. Die Mehrheit stimmt über einen Verfassungszusatz ab, einige aber über das Märchen vom Wolf im Schafspelz, der durch die Hintertüre kommt.
Fakt ist: «Alle Landesangehörigen sind vor dem Gesetze gleich. Die öffentlichen Ämter sind ihnen unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen gleich zugänglich.» So lautet Art. 31, Absatz 1, der Liechtensteiner Landesverfassung. Die Initiative HalbeHalbe strebt an, dass die Verfassung mit dem Satz ergänzt wird: «Die ausgewogene Vertretung von Frauen und Männern in politischen Gremien wird gefördert.»
Es gibt keine Hinterlist. Dafür stehe ich als Mitglied des Initiativkomitees gerade.
An den Autor des Märchens vom Wolf im Schafpelz und an alle Nacherzählerinnen und Nacherzähler stelle ich die Frage: Kannst du deinen Verdacht bitte begründen? Was ist deine konkrete Sorge um unser Land, wenn der Verfassungszusatz Wirklichkeit wird?

Walter Kranz, St. Luzistrasse 12, Vaduz, Mitglied des Initiativ- komitees «HalbeHalbe»

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