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Leserbrief

Der A, der B, der Hamster und der Hund

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 5. September 2019

A und B gehen zur Bank, weil sie einen Wohnblock bauen wollen. Fragt der Bänker salopp, was sie denn für Sicherheiten hätten. Der A hat ein Grundstück, der B hat nichts. Also bekommt der A Geld und der B bekommt nichts. Nun baut der A und der B wird sein Mieter und finanziert ihm seine Kapitalanlage. Dann macht der A noch Solar auf sein Dach, das Land zahlt ihm die Hälfte, kauft ihm den Strom ab und zahlt ihn aus jenem Topf, welchen der B mit seiner Stromrechnung gefüllt hat. Der Block ist nun voll mit Typ B. Die meisten schaffen auf dem Bau und stellen einen Block nach dem anderen auf und bewohnen ihn. So als Wink auf die Baublase im Leerstandland. B wird durch die aussichtslose Zahlerei alt und gönnt sich, um das Alleinsein besser zu ertragen, einen kleinen Hund. Für diesen zahlt er 100 Franken Steuern. Das ist ein ganz kleiner Hund, geht kaum aus der Wohnung, bellt nicht, schmutzt nicht, verscheisst das Trottoir nicht, ist aber unglücklich, weil er keine Gschpänli hat. Nun kauft der B noch ein Hündli und staunt, weil er nun 300 Franken zahlen muss. Hund sei Dank rechnet der staatliche Abakus 2 x 100 = 300. Es wird nicht lange dauern, werden auch Hamster und Kanarienvogel in das Wunder der Multiplikation einbezogen. Der Hund, der Gefährte des Menschen seit Jahrtausenden. Nebst Helfer und Beschützer ein Mitglied der Gesellschaft von unschätzbarem Wert. Selbst dem Bettler auf der Strasse, wenn die Gesellschaft ihn entlassen hat, bleibt meist nur noch der Hund. Und die Gesellschaft entlässt sehr gerne und stösst alles ab, was nicht in ihre Sozialromantik passt. Und diese Romantik hat es in sich, denn seitdem es den Menschen gibt, war er noch nie so wohlhabend und satt, aber auch noch nie so gierig nach noch mehr. Und das «Noch Mehr» verlangt er von der Politik, an die er so sehr glaubt, die er aber ironischerweise auch hasst und verabscheut. Denn so sehr sie sich auch bemüht, eines kann sie nicht, den Menschen glücklich machen. Das muss er schon selber tun. Und solange er nicht lernt, dass die Politik mit ihrem hirnlosen Umverteilen mehr Schaden als Nutzen anrichtet, wird sich auch das System nicht ändern und immer näher an den Abgrund geraten. So schön die Heilsversprechen der sozialen Gerechtigkeit auch erklingen mögen, lauern in ihnen erhebliche Gefahren. Diese gilt es zu erkennen. Ein Blick auf die lange Liste der Sozialhilfeempfänger aus allen Schichten selbst im reichsten Land der Erde müsste längst wachrütteln.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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