Leserbrief

Sozialschlund

Jo Schädler, Eschnerstr. 64, Bendern | 29. August 2019

Herrn Patrick Haldner aus Schaan scheint das soziale Füreinander besonders am Herzen zu liegen und er fühlt den Ausführungen Ulrich Hochs zum Sozialismus, besonders dem staatlich gelenkten, mit Widerspruch begegnen zu müssen. Müssig, hier all die sozialistischen Irrungen aufzuzählen. Im Moment genügt ein Blick nach Venezuela, nach Nordkorea, oder etwas zurück in die DDR, um nur die aktuellsten Verirrungen und Fehlentwicklungen zu nennen, welche staatliche Wohlfahrtskulturen schon angeordnet haben. Mit all diesen durch den staatlich gelenkten Sozialismus erzeugten Katastrophen geht meist noch eine kräftige Hungersnot einher. Unter Mao sind 45 Millionen Chinesen einfach verhungert; natürlich solidarisch mit dem System, das sie retten und wenigstens ernähren sollte. Ob der sozialistische Bruderkuss für immer ausreichen wird, dass der Geringverdiener für immer und ewig seine Insulinspritze oder seine Diabetes-Medikamente einfach so wird kaufen können, sei in Frage gestellt. Die zuckerkranken Venezolaner sind im Moment wahrscheinlich anderer Meinung. So lange aber der Novartis-Chef einen Lohn mit nach Hause nimmt, der ihn anfeuert, die Produktion von Medikamenten niemals zum Erliegen zu bringen, werden wir auf seine Produkte zählen können. Wird dort einst ein staatlich instrumentalisierter Funktionär sein Unwesen treiben, dann ist bald aus mit vollen Regalen in den Apotheken. So schön alleine das Wort «Solidarität» daherkommt, so verführerisch die soziale Gerechtigkeit lockt, so katastrophal und leidvoll sind sie in der Menschengeschichte verankert. Am schlimmsten jedoch wütet derzeit unsere gute Solidarität in Afrika, wo sie eine Katastrophe nach der anderen anrichtet und den ganzen Kontinent zusehends tiefer in sein Elend stürzt. Wieso soll der gute Mann in Afrika überhaupt noch selber ein Fahrrad bauen oder Stoff weben, wenn wir ihm beinahe täglich Schiffsladungen voller Herzensgüter vor seine Lehmhütte kippen. Und wieso soll hier der Arbeitsunwillige seinen faulen Hintern heben, wenn er vom Sozialamt geschmackvoll behütet und begütert wird? Erstaunlich an der ganzen Diskussion um den Sozialismus, dessen Experimente ausnahmslos alle – zum Teil mit schmerzlichen Folgen – gescheitert sind, ist, dass die Linke meint, immer wieder die Gunst erhaschen zu können, indem sie den Wählern Sicherheit und Wohlstand in einer solidarischen Gemeinschaft vorgeifert. Also wozu in der Schule überhaupt Geschichtsunterricht? Der Mensch lernt aus ihr heute nichts und morgen nichts.

Jo Schädler, Eschnerstr. 64, Bendern

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