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Leserbrief

«Peinliches Urteil»

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren | 24. August 2019

Die Zeitungen berichten von einem besonders schweren Fall von Tierquälerei. Ein Betriebsleiter, also eine landwirtschaftlich ausgebildete Vertrauensperson, quälte eine kranke Kuh, die nicht mehr aufstehen konnte, rund 20 Minuten mit Stromschlägen (bis die Batterie des «Viehtreibers» leer war). Tage darauf stach er mit der Mistgabel auf die Kuh ein, «sodass das Tier vor Schmerzen in einer Blutlache nur so gebrüllt habe». Zwar wisse er, sagte der Angeklagte, dass das Zustechen mit der Gabel kein geeignetes Antriebsmittel sei, aber «das machen auch viele andere Bauern». Die Kuh musste als Folge der Verletzungen eingeschläfert werden. Der Täter rechtfertigte sein Tun: «Ich konnte die Kuh auf dem Boden ja nicht verrecken lassen.» Er hatte keine Einsicht, schaute während der Verhandlung gleichgültig aus dem Fenster. Auf die Frage der Richterin, ob er die Aussage des Hauptzeugen vor Gericht beantragen wolle, erklärte er: «Für diesen Scheiss habe ich keine Zeit». Er fühlte sich sicher darin, mit einer Banalität behelligt zu werden und verzichtete auch auf einen Verteidiger. Er sollte recht bekommen. Die Richterin liess sich von der Aussage des damals zuständigen Veterinärs, Dr. Peter Malin, («Die Kuh muss unglaublich starke Schmerzen gehabt haben») oder von der Schilderung des von Schmerz getriebenen Brüllens der Kuh oder den endlos langen Stromschlägen nicht beeindrucken. Den Tod des Tieres hat sie wohl als beiläufigen Sachschaden beurteilt. Zu diesem Schluss muss man aufgrund ihres Urteils kommen. Der wohl sadistisch veranlagte Wiederholungstäter ging mit einer bedingten Geldstrafe von 1200 Franken knapp am Freispruch vorbei. Immerhin stimmt unser Gerichtssystem; auch bei der Staatsanwaltschaft muss das peinliche Urteil Kopfschütteln ausgelöst haben. Sie geht in Berufung.
Anmerkung: Das «Volksblatt» illustriert den Fall mit dem selten gewordenen Bild einer Horn tragenden Kuh. Es wäre endlich an der Zeit, das Subventionswesen dahingehend zu ändern, dass Bauern, die den Kühen ihre natürlichen Hörner lassen, finanziell belohnt werden, um die Verstümmelung der Tiere zu beschränken. Es ist eigenartig: Umso nützlicher Tiere für den Menschen sind, umso schlechter werden sie behandelt. Das gilt auch für Kälber, Schweine oder Hühner.


Georg Kieber,
Binzastrasse 6, Mauren

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