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Leserbrief

Soll ein Geburtshaus eingerichtet werden?

Hans Frommelt, Gapont, Triesen | 5. August 2019

Umgangssprachlich und fachsprachlich unterscheidet man zwischen Spitalgeburten, Geburtshausgeburten und Hausgeburten. Diese EU- und WHO-Sprachnotation hat ja auch die Schweiz übernommen. Der Begriff Hebammengeburt bzw. hebammenbegleitete geburtshilfliche Modelle wird in der Schweiz noch teilweise verwendet. Nur wenige Spitäler pflegen ein solches Modell.
Frauen in hebammenbegleiteten Geburtsmodellen sind allgemein signifikant zufriedener als jene in den ärztlich geleiteten Geburtsmodellen, wird allgemein festgestellt, zeigen Befragungen.
Im Bericht und Antrag der Regierung an den Landtag betreffend die Erneuerung der Infrastruktur des Liechtensteinischen Landesspitals als auch in den Publikationen des Spitals stützt man sich nicht auf die drei grundlegenden Begriffe. Man spricht und schreibt immer nur von Geburtenabteilung und Geburtshilfe. Was damit eigentlich gemeint ist, wird nicht gezielt erklärt. Soll nun ein ärztlich betreutes oder ein hebammenbetreutes Modell im neuen Spital realisiert werden? Soll etwa ein Geburtshaus eingerichtet werden?
Erklärt wird, dass die Schliessung der Geburtenabteilung vom Spital Vaduz im Jahre 2014 gemäss heutigen Qualitätsmassstäben mit kurzfristiger Verfügbarkeit aller Fachkräfte (Anästhesie, Chirurgie, Pflege etc.), welche bei einer Komplikation während der Geburt benötigt werden, für rund 250 Geburten pro Jahr sehr teuer ist. Heute gelten bei solchen Überlegungen die allgemeinen Vorgaben des Zürcher Modells, was im Regierungsbericht auch erwähnt ist. Es geht da auch um Mindestfallzahlen und um Qualität. Die vom Zürcher Modell und der WHO vorgegebenen Fallzahlen werden nirgens erwähnt. Diese soll bei 500 Spitalgeburten pro Jahr liegen, damit eine hohe Qualität eingehalten werden kann. Ein Vergleich ist ja nicht möglich, weil die fachsprachlichen Begriffe, welche im Regierungsbericht verwendet werden, nicht der von der WHO, dem Zürcher Modell etc. vorgegebenen Fachsprache entspricht.
Die NZZ und weitere Schweizer Zeitungen haben kürzlich gezielt, bewusst oder unbewusst sei dahingestellt, die Wortwahl des Regierungsberichtes übernommen.
Da stellt sich schon die Frage, ob man da die Krankenkassenbeitragszahler und Steuerzahler verschaukeln will oder nur Fachlichkeit suggerieren will. Ein Vergleich zum heutigen Zeitpunkt mit Grabs ist nicht möglich.

Hans Frommelt,
Gapont, Triesen

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