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Leserbrief

Systemfehler der Liechtensteiner Casinowelt

IG «Kein Casino im Dorf», Balzers, Benno Büchel | 3. August 2019

•Casino als gesellschaftlicher Treffpunkt: Ja, das gibt es, das wäre vielleicht in Vaduz erwünscht und möglich gewesen, fast wie in Monaco, Bregenz oder in Baden-Baden: Highlife und etwas Schickimicki, mit entsprechenden Bauten und einem stilvollen Ambiente. Ein Casino in dieser Richtung mit Öffnungszeiten, die den örtlichen Gegebenheiten angepasst wären, hätte eine Attraktion für das Städtle sein können.
•Casinos als reines Shareholder-Value-Vehikel: Die jüngste Entwicklung in unserem Land, wo es zur Mode geworden ist, noch möglichst schnell und rücksichtslos auf den neuen Zug aufzuspringen, wohlwollend unterstützt von Behörden, zeigt, dass es nicht um Kultur oder soziale Begegnungen geht, sondern um reines Profitdenken.
•Gewinne kommerzialisieren – Verluste sozialisieren: Dass immer nur die einen gewinnen und die anderen verlieren, geht im normalen Geschäftsleben nicht auf, aber bei Menschen, die einer Sucht unterliegen, wird offenbar ein lukratives Potenzial geortet. Der Shareholder-Value-Ansatz sieht nur die Gewinne und diese werden kommerzialisiert. Wo Gewinner sind, gibt es zwangsläufig auch Verlierer, es sind dies die übrigen Involvierten, die Stakeholder. Einerseits sind das die Spieler, die viel bis alles von ihrem Ersparten einbüssen; die Nachbarn als Direktbetroffene, weil sie unverschuldet rund um die Uhr mit einem massiven Verlust an Lebensqualität konfrontiert sind und schlussendlich der Staat mit seinem Sozialsystem als Auffangnetz, denn die Verluste werden langfristig sozialisiert — so einfach ist die Rechnung.
•Reputations-Risiko: Im Banken- und Treuhandbereich haben wir in den letzten Jahren die Transformation vom Standort-Vorteil zum Standort-Wettbewerb bitter durchlebt und lernen müssen, dass andere Staaten Regelungsgefälle auf die Dauer nicht akzeptieren. Aber genau auf diese Masche setzen die Casino-Betreiber: «Bessere Bedingungen als die Nachbarn und das Geschäft floriert». Internationale Firmen und ihre inländischen Strohmänner streichen den Grossteil der bisher noch satten Gewinne ein und das Reputationsrisiko trägt Liechtenstein, unser Land und damit wir alle.

Es wäre an der Zeit, dass die Entscheidungsträger die Casino-Entwicklung neu beurteilen.

IG «Kein Casino im Dorf», Balzers, Benno Büchel

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