Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Liechtensteiner sein kostet extra

Orlindo Frick,Stephensonstrasse 14, Postdam | 29. Juli 2019

Ausnahmsweise folgt kein Leserbrief über Tausende oder gar Millionen von Franken. Mir geht es nur um 250 Fr., die aber ausreichen, um ein Grundrecht zu untergraben.
Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN bestätigt in Artikel 15 das Recht eines jeden Menschen auf eine Staatsangehörigkeit und schützt ihn gegen eine willkürliche Zwangsausbürgerung. Doch wie so manch andere Menschenrechte ist auch dieses hierzulande nicht selbstverständlich, Stichwort Reisepass- und ID-Gebühren:
Ein neuer Reisepass kostet beim Ausländer- und Passamt stolze 250 Franken. Eine neue Identitätskarte schlägt mit 150 Franken zu Buche. Das macht 400 Franken für einen Erwachsenen. Bei Jugendlichen fallen insgesamt 160 Franken, bei Kindern unter 12 Jahren 80 Franken an. Das Hochrechnen auf Familiengrös-se überlasse ich euch. Zum Vergleich: Unsere Nachbarn in der Schweiz zahlen 148 Franken, für ID und Pass zusammen. Österreich 152.40 Franken, Deutschland: 98.70 Franken.
Klar, Liechtenstein hatte schon immer einen ganz eigenen Blick auf die Dinge. Hier, wo sogar Gratis-Bus-Abos für Schüler/-innen und Lehrlinge aufgrund der Kosten als unnötige Ausgaben betrachtet werden. Schliesslich gibt es hierzulande nur reiche Familien und keinerlei Verkehrsprobleme. *Ironie off*
Ich lese als Erklärung für die horrenden Reisepassgebühren häufig von einer «notwendigen Kostendeckung». Da stellt sich mir die Frage, seit wann ein Menschenrecht kostendeckend sein muss? In einem der reichsten Länder der Welt? Muss ein Staat nicht viel mehr die Grundrechte seiner Bürgerinnen und Bürger um jeden Preis schützen? Auf die Frage, warum nicht eine Senkung auf Schweizer Niveau angestrebt wird, antwortete die Regierung 2018 mit «Übernahme der Schweizer Gebührenstruktur würden […] Mindereinnahmen von rund 343 000 Franken jährlich resultieren».
Wow, 343 000 Franken. Wie viel Landtagsdächer dafür wohl saniert werden könnten? Oder wie viel Casinos für diese Unsumme nach Liechtenstein geholt werden müssten? Spass beiseite, ich habe meinen Frieden damit gemacht, als Auslandsliechtensteiner ein stimmloser Bürger zweiter Klasse zu sein. Aber das Recht auf Staatsangehörigkeit tangiert uns alle, Alt wie Jung, Reich wie Arm, nah wie fern. Dies finanziell auf die Rücken der Bürgerinnen und Bürger abzuwälzen, ist weder sozial noch gerecht, sondern nur verblendete und längst verjährte Sparpolitik. Nennt mich naiv, aber ein Menschenrecht wie die Staatsangehörigkeit sollte nicht mit einem kostendeckenden, sondern mit einem symbolischen Preisstempel versehen sein.

Orlindo Frick,
Stephensonstrasse 14, Postdam

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung