Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Beschämende Landtagsdebatte

Vorstand Frauennetz Liechtenstein | 6. Juli 2019

Der Sonderlandtag vom 2. Juli 2019 löste bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Entsetzen und Scham über eine Debattenkultur aus, die eines demokratisch gewählten Parlaments unwürdig ist. Der Sonderlandtag wurde einberufen, um nochmals sämtliche offenen Fragen zu klären und nicht zu vergessen, auch deshalb, damit Aurelia «die Hosen runterlassen kann». Die Aussage unseres Regierungschefs läutete die unsägliche Debatte ein und gab Aurelia Frick zum Abschuss frei.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Demontage von Aurelia Frick bereits im Januar 2018 mit der lächerlichen Pelzmanteldebatte ihren Anfang nahm und einige Monate später mit der Diskussion um den Nachtragskredit von 80 000 Franken für Reisespesen fortgesetzt wurde. Den Höhepunkt dieses erbärmlichen Schauspiels erlebten wir letzten Dienstag in einem wahren Schau- oder Hexenprozess. Die Meinungen waren gemacht und Aurelia Frick das Vertrauen entzogen, obwohl es keinen rechtlichen, fachlichen oder sachlichen Grund gab, um eine verdiente Politikerin in die Wüste zu schicken.
Wir stellen uns die Frage, ob der Sonderlandtag missbraucht wurde, um eine dem Landtag, der Regierung und ihrer Partei unliebsame und unbequeme Ministerin abzusetzen. Gaben letztlich emotionale und persönliche Motive den Ausschlag dafür, dass in diesem Konflikt mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde? Ihr politisches Engagement kann es nicht sein, denn die Aus­senministerin geniesst doch auf der internationalen Bühne gros­ses Ansehen.
Obwohl immer wieder behauptet wird, es habe nichts mit dem Geschlecht zu tun, stellen wir rückblickend fest, dass stetig ihr Aussehen, ihre Kleidung und ihr Auftreten kommentiert wurden. Am Frauenstreiktag hat Aurelia Frick einige Mitglieder des Streikkomitees darüber informiert, dass sie ein Statement abgeben würde. Die Ministerin hatte unser Einverständnis! Es macht den Anschein, dass viele Männer und auch einige Frauen sich schwer tun im Umgang mit einer zielstrebigen und sich konsequent für Gleichstellung engagierten Ministerin, die sich zudem traut, am Frauenstreiktag aufzutreten.
Wir fragen uns, wo der Aufschrei bleibt, wenn der Vorsitzende der GPK die Unabhängigkeit der Datenschutzstelle und des Staatsanwaltes anzweifelt und somit die demo­kratischen Prinzipien infrage stellt. Was wäre passiert, wenn Aurelia Frick ein solches Statement abgegeben hätte? Soviel zur Genderde­batte.
Wir werden uns an diesen Sonderlandtag erinnern, bis zu den nächsten Landtagswahlen. Wir werden Frauen ermutigen, sich für eine Kandidatur zu entscheiden. Wir werden alles daran setzen, dass sich viele Frauen für die Landtagswahl zur Verfügung stellen, um für eine andere Politik einzustehen. Wir wollen, dass eine solch unsägliche Politikkultur der Vergangenheit angehört, denn sie schadet unserer Gesellschaft und dem Ansehen unseres Landes.
Wir zitieren aus dem «Tages Anzeiger» vom 4. Juli 2019: « … andererseits drängt sich der Eindruck auf, dass die achtstündige Fragerei im Landratsaal nur Inszenierung war — die Meinungen waren schon vorher gemacht.»

Vorstand Frauennetz Liechtenstein

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung