Leserbrief

Selbstbewusstsein ist ein subjektives Gefühl

Marco Ospelt,Toniäulestrasse 3, Vaduz | 5. Juli 2019

Das «Liechtensteiner Volksblatt» zitiert in der Ausgabe vom 4. Juli Dr. Wilfried Marxer mit der Aussage, der Umgang mit der «Causa Frick» könne das Selbstbewusstsein des Landtages oder der Landtagsabgeordneten stärken.
Dieser Aussage möchte ich vehement widersprechen. Natürlich ist Selbstbewusstsein ein subjektives Gefühl. Ich kenne etliche Zeitgenossen mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein, ohne dass diesem eine entsprechende Persönlichkeit oder Leistung zugrunde läge.
Und eben auch im Umgang des Landtags mit der «Berateraffäre» sehe ich keinen Grund für ein gestärktes Selbstbewusstsein. Erstens achtet der Landtag seine eigenen Institutionen gering. Sonst könnte er nicht eine angeblich so wichtige Kommission wie die Geschäftsprüfungskommission stellvertretenden Abgeordneten überlassen. Zweitens ist der Landtag, vertreten durch seine GPK, nicht in der Lage, geheime oder in nicht öffentlichen Sitzungen überlassene Dokumente für sich zu behalten. Überlässt man ihm geheime Dokumente ungeschwärzt, kann man sie anderntags in der Zeitung lesen. Drittens hat der Landtag im siebenstündigen Gemetzel vom 2. Juli weder Kinderstube noch (Herzens-)Bildung erkennen lassen. Sonst hätte er sich in einer nicht öffentlichen Sitzung die offenen Fragen beantworten lassen und seine Meinungen dazu geäussert. Um dann in einer sachlichen Zusammenfassung die Öffentlichkeit über die Fakten zu informieren, die zur Annahme des Misstrauensantrags geführt haben.
Damit ein Abgeordneter oder der Landtag als Institution mit einem gestärkten Selbstbewusstsein aus dieser Causa herausfinden kann, muss er nach meinem Empfinden gar viele Fakten ausblenden.

Marco Ospelt,
Toniäulestrasse 3, Vaduz

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