Leserbrief

Der Deal war schon lange klar

Karin Jenny, Undere Rüttigasse 5, Vaduz | 4. Juli 2019

Was war am Dienstag passiert? Als Landtagsbesucherinnen traf uns das gnadenlose Ende einer Karriere, die so nicht angelegt war. Nein, es war keine Naturkatastrophe. Es war vorhersehbar, dass die Chancen, den angedrohten Misstrauensantrag zu überleben, realtiv gering waren.
Was ist aber die Ursache dieser vorauszusehenden Erschütterung? Was erwarteten wir oder andere an der Sonderlandtagssitzung? Neue Aspekte, die über die wochenlange Tröpfcheninformation hinausgingen? Nachweisbar juristische Verfehlungen? Empathie? Aufmerksame Landtagsmandatare, die auch zuhören können? Sachlichkeit? Fairness?
Von allem etwas wenigstens. Aber nichts davon war da. Die Gnadenlosigkeit, mit der man Aurelia Frick hinrichtete, war beispiellos. Ja, es war ein Tribunal, an dem von der ersten Minute an feststand, worauf es hinauslaufen würde.
Deeskalation ist ein Fremdwort. Stimmt schon. Der Regierungschef hat keine Kompetenzen. Ist so üblich. Mag ja sein. Aber eine angespannte Deeskalation einzuleiten, dazu braucht es keine Entscheidungskompetenzen. Ausser jene Kraft, mit der eigenen empathischen Kompetenz Hitzköpfe zu beruhigen und sie auf dem schwierigen Weg etwas zu begleiten. Im Hintergrund. Diskret.
Diskretion ist ohnehin eine Vokabel, die in den vergangenen Wochen enorm strapaziert wurde. Wir konnten uns beinahe täglich an Aurelia Fricks Vergehen satt lesen. Dass sie reagierte, ist wohl nur normal. Dass sie manchmal ihre Agenda selbst bestimmte, passte einigen nicht – weil sie bestimmen wollten, wo es lang geht. Das «Liechtensteiner Vaterland» brachte dann irgendwann grosse Teile des Berichts der GPK. Anonymes Material. Ahnungslosigkeit in Bezug auf den Lieferanten.
Demaskierung: Spätestens von da an wird es schaurig. Aurelia Frick stand den ganzen Tag für Fragen zur Verfügung, die man ihr schon x-mal stellte, die sie schon x-mal beantwortete. Sie entschuldigte sich x-mal. Sie verhielt sich demütig. Was mir weh tat. Sie mag Fehler gemacht haben. Aber kein einziger Ablagefehler, kein einziger Schweizer Franken rechtfertigt eine solche Jagd. Inhaltlich weiss jeder, dass sie in den vergangenen zehn Jahren hervorragende Arbeit leistete.
Der Vorwurf an Aurelia Frick, sie habe Amt und Land beschädigt, lenkt vom eigenen Unvermögen ab.
Ich bin ehrlich entsetzt, was da im Landtag abging. Wie schal muss dieser Sieg schmecken? Und wo bitte nehmen all die Landtagsabgeordneten, nach einem Tag heftigen Mitmachens, ihre geschlliffenen Voten her, die alle nur ein Ziel hatten, nämlich Aurelia Frick loszuwerden. Sie haben sie geschrieben, ehe sie auch nur ein Wort gehört hatten.
Eine reife Leistung. Zu der ich Ihnen aber leider nicht gratulieren kann.

Karin Jenny, Undere Rüttigasse 5, Vaduz

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