Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Sehr geehrter Vorstand der Jägerschaft

Martin Seger, Eschnerstrasse, Schaan | 21. Juni 2019

Ihre Empörung im Artikel betreffend des geplanten Todesgatters in Schaan überrascht schon. Zumal die Jägerschaft seit Jahrzehnten ihren Teil dazu beitragen hat, dass die Politik erst auf solche Ideen kommt. Diese absurde Massnahme, welche niemand versteht, basiert auf der Tatsache, dass es die Jägerschaft bis anhin nicht geschafft hat, eine Reduktion der Schalenwild-Bestände so hinzukriegen, dass ein Mischwald entstehen kann ohne Schutzmassnahmen, wie es im Waldgesetz vorgeschrieben ist. Denn dies ist der Massstab, ob die Wildbestände mit ihrem Biotop im Gleichklang sind oder eben nicht. Ein weiterer Teil des Problems ist, dass die Regierung und der Jagdbeirat seit Jahrzehnten ihrer gesetzlichen Pflicht nach Artikel 46, Absatz 1 und 2 des Jagdgesetztes nicht nachgekommen ist. Gemäss diesem Gesetz wird klar geregelt, dass diese Parteien die Verminderung von Wild, im Interesse der Land- und Forstwirtschaft durchzusetzen haben. Wenn seit Jahrzehnten in Schutzwäldern (über 1200 Meter) gemäss Regierungsrätin Frau Hasler auf 95 Prozent der Schutzwaldfläche kein standortgerechter Jungwuchs aufkommt, ist es müssig, über Abschusszahlen beziehungsweise erfüllte Abschussvorgaben zu streiten. Zudem sind 5 Prozent der Schutzwälder, in denen der nötige Jungwuchs aufkommt, grösstenteils eingezäunt. Nach Artikel 47, Absatz 1 des Jagdgesetzes hat die Jagdgemeinschaft die Wild- und Jagdschäden zu ersetzen. Hier stellt sich schon die Frage, wer denn die Aufforstungen (notwendig durch Wildschaden) in den Schutzwäldern bis dato finanziert hat und ob die darauf entstandenen Kosten dem Verursacher gemäss Gesetz in Rechnung gestellt wurden? Fakt ist, dass das Reviersystem der heutigen Form versagt hat und die Verantwortlichen als Gesprächspartner für zukünftige Lösungen infrage zu stellen sind. Es ist nur zu grotesk, dass wir über Tötungsgatter diskutieren, ohne das vorhandene Potenzial von über 400 Personen mit einer Jagdprüfung abzurufen. Davon sind im heutigen Reviersystem nur rund 100 «erlesene» in einer geschlossenen Gesellschaft zugelassen. Rund 300 Personen mit einer hervorragenden Jagd-Ausbildung werden nicht berücksichtigt, dafür aber ein Tötungsgatter bevorzugt? Weitere Absurditäten wie eine «Elitetruppe» aus den Reihen der Jägerschaft zur Erfüllung der Abschusspläne oder Staatsjäger stehen zur Diskussion. «Um’s Verrecken» wird an der Ursache dem bestehenden Jagd-System/-Gesetz festgehalten mit all seinen Absurditäten. Als Beobachter mit rund zehn Jahren jagdlicher Tätigkeit im Staatswald von Baden Württemberg weiss ich, wovon ich spreche. Die Trophäe einer zeitgemässen Jagd in Zeiten des Klimawandels ist die Weisstanne! «Wenn die Wanne überläuft, bringt es nichts, den Lappen zu holen –, sondern der Stöpsel muss gezogen werden.» Unsere Nachbarn aus Graubünden und Baden Württemberg machen uns vor, wie es gelingen kann. Kurze Jagdzeiten mit möglichst vielen Jägern (Intervalljagd). Ob wir es Patentjagd oder Regiejagd nennen, spielt dabei keine Rolle. Jeder mit entsprechender Ausbildung soll den Zugang zu Jagd bekommen. Der vielzitierte Jagddruck lässt nach, da die Jagdzeiten reduziert werden. Das Wild wird wieder sichtbar und kann seinen Lebensraum wieder ungestört nutzen. Gejagt wird nach den Vorgaben des Tierschutzes und an oberster Stelle steht der Schutz der Menschen. Wenn der Schutz von rund 9000 Gebäude und rund 200 Kilometer Strasse in direktem Zusammenhang mit der Nichterfüllung von Artikel 46 Absätze 1 und 2 des Jagdgesetzes gefährdet sind, so wundert es schon, dass es keinen grösseren Aufschrei der Grund- und Bodenbesitzer gibt. Zumal bereits jetzt in den Gemeinden Schaanwald, Nendeln und in Steg hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird über die Ausweitung der roten Zone. Was dies für den Grundbesitzer an Vermögensverlust bedeutet, ist müssig zu erklären. Die Frage stellt sich hierbei, ob diese «Enteignung/Wertminderung» nach Artikel 47, Absatz 1 dann der Jagdgemeinschaft oder gar der Regierung in Rechnung gestellt werden kann?

Martin Seger, Eschnerstrasse, Schaan

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung