Leserbrief

Hände weg von Jungvögeln

Georg Willi im Namen des Tierschutzvereins und des Ornithologischen Landesverbandes | 18. Mai 2019

In letzter Zeit wurden wieder verschiedene Jungvögel im Tierschutzheim abgegeben. Doch ein Jungvogel hat die besten Überlebenschancen, wenn er von Altvögeln gefüttert wird. Eine goldene Regel lautet deshalb: Lassen Sie Jungvögel dort, wo sie sind! In den seltensten Fällen sind sie wirklich verlassen. Dies soll nachfolgend erläutert werden. Jungvögel sind, wenn es sich um Kleinvögel handelt, nach einer Brutzeit von rund 14 Tagen geschlüpft. Bei den Nesthockern werden die Jungvögel weitere rund 14 Tage gefüttert. Wir stehen jetzt also in einer Zeit, da viele Junge ihr Nest verlassen. Dabei hüpfen viele der Jungvögel frühzeitig aus ihrem Nest, oft bevor sie überhaupt richtig fliegen können. Bekannt ist dies insbesondere bei Amseln und anderen Drosselarten und geschieht vor allem dann, wenn es im Nest zu eng wird. Die Jungen hüpfen heraus und flattern oft ungeschickt herum. Sie wirken auf den ersten Blick verlassen. Meist sind sie aber weder verletzt noch aus dem Nest gefallen. Vielmehr halten sich die Eltern in der Nähe auf und warten, bis wir als Störenfriede wieder weg sind, um das Junge weiter zu füttern. Darum soll man Jungvögel unbedingt an ihrem Fundort belassen, denn meist sind die Eltern nicht weit entfernt. Nur wenn unmittelbare Gefahr droht, zum Beispiel durch eine Katze, kann man den jungen Vogel aufheben und in das nächste Gebüsch setzen. Niemals soll ein Jungvogel nach Hause mitgenommen werden. Auch im Tierschutzheim kann diesen Vögeln nicht geholfen werden. Die Überlebenschance eines Jungvogels, der in menschlicher Obhut aufgezogen wird, ist auch nach dessen Freilassung sehr gering. Die Abgabe im Tierschutzheim bedeutet daher in den meisten Fällen keine Hilfe für die Vögel.

Georg Willi im Namen des Tierschutzvereins und des Ornithologischen Landesverbandes

-

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung