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Leserbrief

Warum denn um jeden Preis eine alpwirtschaftliche Nutzung des Triesenberger Garsälli?

Mario F. Broggi, St. Mamertenweg 35, Triesen | 10. Mai 2019

Die Alpwirtschaft ist seit Jahrzehnten in Schieflage. Die Viehzucht setzte mehr auf Turbo als auf robuste Tiere. Viele Alpen werden im Alpenbogen aufgelassen, man sucht händeringend nach Hirten und Vieh für die Sömmerung. Die Integrale Berggebietssanierung (BGS) hat in Liechtenstein in den letzten Jahrzehnten positiv für eine nötige Gesamtschau der Interessen gesorgt und man versuchte, die gut erschlos­senen Alpen zu erhalten und zu fördern. Wir haben im Land nur mehr zwei nicht mit Fahrzeugen erreichbare Alpen. Dazu gehört das Triesenberger Garselli. Auch dieses sollte ja einst mit Millionenaufwand mit Strasse erreicht werden, was die BGS ablehnte. Trotzdem steckt man hier für wenige Rinder grössere sechsstellige Summen in den Unterhalt für Wasserversorgung, Stall und Viehweg. Bevor man neuerlich wieder 220 000 Franken für die Sanierung des «Chämiweges» einsetzt, könnte man sich doch auch einmal die Grundsatzfrage stellen, ob dies eine sinnvolle Investition ist. Ich meine nein, es ist im Gegenteil eine Steuergeldvernichtung! Macht man eine Kosten-Nutzen-Rechnung, so steht auf der einen Seite ein äusserst geringfügiger Pachtzins und auf der anderen eine sechsstellige Zahl für laufende Investitionen. Und dies vorerst nur ökonomisch betrachtet. Dazu kämen zusätzlich bei Verzicht auf alpwirtschaftliche Nutzung Ökosystem-Dienstleistungen, zum Beispiel für die Ermöglichung von Kohlenstoffsenken. Warum ist denn «am Ende der liechtensteinischen Welt» unter schwierigen Bedingungen eine Bestossung ein Ziel? Mit diesen eingesetzten und einzusetzenden Beträgen kann man ja jedes Rind vergolden. Warum kann man hier im unteren Saminatal nicht einfach «Natur Natur sein lassen»? Warum muss der Mensch bis in die hintersten Winkel hineinwirken und immer und überall seinen Stempel aufdrücken? Weltweit wird derzeit die Biodiversitätsfrage heftig diskutiert und verlangt, dass zu deren Erhaltung die Hälfte des Planeten Wildnis sein sollte. Wir regen uns über die Abholzung des Tropenwaldes auf, aber wo ist unser Beitrag für die Natur? Wo bleibt ein wenig Ehrfurcht und Demut vor und für die Natur?

Mario F. Broggi, St. Mamertenweg 35, Triesen

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