Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Hänsel und Gretel

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 24. April 2019

Auf die Generation Greta wird auch bald die Generation Hänsel folgen. Das ist nicht nur Logik, sondern die Erfahrung, welche uns die Geschichte lehrt.
Die grössten Luftverschmutzer und Energieverschwender sind Luft, Auto und Schifffahrt. Wie wäre es also mit richtigen Aktionen und nicht diesem sinnlosen freitäglichen Herumgezimper. Also ihr Jungen: Es ist ja eure Zukunft, die ihr retten wollt. Geht ruhig hin, blockiert an Ostern und zu Ferienbeginn die Alpenpässe, geht zu Airbus und Boeing und schlagt die Werkhallen kurz und klein, stürmt die Flughäfen, die Häfen, die Reedereien, die Autofabriken dieser Erde, legt alle Fracht- und Kreuzzufahrtschiffe an die Kette, geht auf die Strassen, lasst den Autos die Luft aus den Reifen, reisst die Tanksäulen nieder, befreit die Tiere aus den Mastbetrieben. Und nehmt dann die Millionen arbeitslos gewordenen Menschen am Freitag mit nach Rom zum Papst, aber zu Fuss, und betet mit ihm für genügend umweltgerechte Arbeitsplätze.
So gut die Greta-Demonstrationen an die «Ihr» müsst etwas tun Menschen auch gemeint sein mögen, im Grunde genommen sind sie kontraproduktiv und äusserst schädlich, weil sie von den wahren Problemen ablenken, welche diesen Globus mit Krebsgeschwüren übersähen. Die deutsche Energiewende mit dem bisschen Wind und Solarstrom lässt sich natürlich mit helfendem Atomstrom aus Frankreich, mit Gasstrom aus den Niederlanden und mit Polenkohle allemal stabil halten und schönschwätzen.
Menschen, welche sich durch Greta wachrütteln liessen und im peinlichen Kollektivzwang mitwursteln, werden zumindest versuchen, der Umwelt gegenüber das Gewissen wenigstens ein bisschen zu entlasten. Also, man wird die Heizung ein Grad tiefer drehen, aber nur am Dachboden und im Keller. Am SlowUp wird man auch Neni und Nana mitnehmen und man wird zumindest eine Zeit lang mit dem Leinenbeutel einkaufen gehen. Und das alles im guten Gefühl, dass die Menschen ja jetzt, Greta sei es verdankt, endlich etwas für die Umwelt tun.
Wer nun aber glaubt, dass irgendjemand auf seinen Ferienflug, auf seine obligate Weltreise, die Kreuzfahrt oder sein Auto verzichtet und ob in dem Leinenbeutel nur noch einheimisches Obst und Gemüse und nie mehr Bananen und argentinische Steaks sein werden, der sollte auf dem Mond, aber bitte auf seiner Rückseite, ganz hinten Wohnsitz nehmen.
Und so verloren Hänsel und Gretel im dunklen Walde waren, so unsinnig und orientierungslos präsentieren sich die Freitagsschulschwänzer im peinlichen Gretelgedusel.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter