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Leserbrief

«12 Makas im Opel Astra»

Dr. med René Kindli, Kinder- und Jugendarzt, Mauren | 10. April 2019

Unter diesem Titel erschien in der «Liewo» vom letzten Sonntag ein Interview mit dem Liechtensteiner Rapper Cooper Quaderer.
Dass die Texte der Rapper lustig und ironisch sind, mag ja sein. Bei Makatussin ist bei mir als Kinder- und Jugendarzt aber fertig lustig.
Makatussin ist ein Hustensirup mit dem Wirkstoff Codein. Codein ist ein Opioid, das heisst, ein opiatähnlicher Stoff. In genügenden Mengen konsumiert wirkt Codein berauschend vor allem in Kombination mit Alkohol. Oftmals wird dazu noch gekifft. In jüngster Zeit werden in Liechtenstein häufig dazu auch noch Xanax oder andere Beruhigungsmittel eingeworfen. Wohlgemerkt, ich spreche nicht von Brooklyn New York, sondern von Liechtenstein. Dass die Gefahren von Atemlähmung und Psychosen den Jugendlichen nicht so bewusst sind, ist klar, dass aber eine Zeitung wie die «Liewo», das als Ironie abtut und das Ganze auch noch in den Titel setzt, ist unverantwortlich. Hier geht es um Haltung.
Makatussin ist nicht harmlos, sondern hat ein grosses Suchtpotenzial. Gerade in Rapperkreisen ist es sehr beliebt, wird in Musikvideos regelrecht promotet. Wie ernst die Sache ist, zeigt auch der Schwarzmarktwert. Während eine Flasche Makatussin in der Arztpraxis 11 Franken kostet, wird es auf Snapchat für 80 Franken verkauft.
In den vergangenen Monaten hat sich die Situation um Makatussin und Benzodiazepine in der Jugendszene in Liechtenstein massiv verschärft.
Es geht um das Wohl und die Gesundheit unserer Jugend. Deshalb müssen wir Erwachsenen bewusst hinschauen. Als Eltern müssen wir mit unseren Kindern die Themen Sucht und Medikamentenmissbrauch ansprechen und unsere Kinder im Auge behalten. Als Ärzte müssen wir potenziell suchterzeugende Medikamente äusserst achtsam abgeben. Die Politiker müssen Gelder gutsprechen für zusätzliche
Präventions- und Suchtarbeit. Und die Medien müssen sich ihrer Verantwortung um eine seriöse Information bewusst sein und nicht mit derartigen Überschriften das Ganze verharmlosen. Wir haben nicht 12 Makas im Opel Astra, sondern über 100 Makatussin-Konsumenten im Land.

Dr. med René Kindli, Kinder- und Jugendarzt, Mauren

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