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Leserbrief

«Seit 1991 hat sich wenig verbessert»

Gianna Schreiber,Reberastrasse 27, SchaanHelen Marxer,Floraweg 19, Vaduz | 10. April 2019

2019 ist das Gleichstellungsgesetz 20 Jahre alt und dennoch sind wir von der Chancengleichheit zwischen Frau und Mann noch weit entfernt. Der Staat hat zwar den gesetzlichen Auftrag, faktisch Gleichstellung und Chancengleichheit herzustellen, eine Gleichstellungsstrategie und wirksame Massnahmen fehlen jedoch weitgehend. Darum hat sich seit dem letzten Frauenstreiktag 1991 – vor 28 Jahren – wenig verbessert und wir stehen noch vor den gleichen Problemen. Ein Frauenstreik ist nötig, weil sich von alleine nichts ändert.
Frauen leisten einen grossen Teil der unbezahlten, gesellschaftlich wichtigen Arbeit, nämlich die Familien- und Hausarbeit, die Kindererziehung und die Betreuung älterer Menschen, kurz, die Care- oder Sorgearbeit. Diese Arbeit schlägt sich nicht in der AHV und nicht in der Pensionskasse nieder, weil sie unbezahlt ist. Eine löbliche Ausnahme bilden die Erziehungsgutschriften für Frauen mit Kindern. Diese sind hilfreich, genügen aber nicht, um eine ökonomische Unabhängigkeit zu erlangen. Mit dem Frauenstreiktag wollen wir aufzeigen, dass die unbezahlte Arbeit der Frauen unentbehrlich für Gesellschaft und Wirtschaft ist. Wir fordern, dass die Leistungen der Frauen wahrgenommen werden und die unbezahlte Care-Arbeit volkswirtschaftlich wertgeschätzt wird.
Viele Frauen sind in Teilzeitarbeit tätig und arbeiten zudem oft in sogenannten Leichtlohnberufen, die generell schlecht bezahlt sind. Leichtlohnberufe sind entstanden, weil sie mehrheitlich von Frauen ausgeführt werden und weil die Arbeit von Frauen geringer bewertet wird als die Arbeit von Männern. Auch wegen einer möglichen Schwangerschaft werden Frauen schlechter bezahlt. 2018 betrug die Lohndifferenz in Liechtenstein durchschnittlich noch immer 15,2 Prozent. Das geringere Einkommen und eventuelle Unterbrüche in der Familienphase führen später zu einer tiefen Altersrente und in der Folge zu Altersarmut und Abhängigkeit.
Familie darf kein Hindernisgrund für eine berufliche Karriere sein. Die Hauptverantwortung für Haushalt und Familie erschwert es Frauen jedoch, einem bezahlten Beruf nachzugehen und eine Karriere zu verfolgen. Die gute (Aus-)Bildung und die späteren beruflichen Positionen von Frauen stimmen deshalb oft nicht überein. Es braucht eine gerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit auf beide Geschlechter. Weitere Gründe für einen Streik sind: Mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf, fehlende bezahlte Elternzeit, zu wenig familienergänzende Kinderbetreuungsangebote, zu wenig Teilzeitstellen für Männer, Sexismus und Gewalt gegen Frauen, Untervertretung von Frauen in Wirtschaft und Politik, ungleicher Lohn bei gleicher Arbeit und schlechtere Aufstiegschancen wegen Männerbünden.
Es ist Zeit, diese Missstände endgültig zu beseitigen. Wir laden alle Frauen und Männer, die sich solidarisch zeigen, ein, in irgendeiner Form am 14. Juni 2019 am Streiktag mitzumachen. Alle Frauen, die mit uns den 14. Juni planen wollen, sind herzlich eingeladen am 25. April von 18 bis 20 Uhr nach Triesen in die alte Spörryfabrik, Dorfstrasse 24, zu kommen.
Für die Arbeitsgruppe Streiktag, Kommunikation:

Gianna Schreiber,
Reberastrasse 27, Schaan
Helen Marxer,
Floraweg 19, Vaduz

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