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Leserbrief

Stau – Eine nötige Erscheinung

Vorstand des Verkehrs- Clubs Liechtenstein (VCL) | 27. März 2019

Gebaute Verkehrs-Infrastruktur (zum Beispiel eine Strasse) hat zwar eine fixe Kapazität, muss aber stark schwankenden Mobilitätsbedürfnissen gerecht werden. Würde man die Verkehrs-Infrastruktur für die Spitzenbelastungen auslegen, wäre sie in den Nebenverkehrszeiten viel zu schwach ausgelastet und damit eine volkswirtschaftliche Verschwendung. Eine Auslegung nur für die Nebenverkehrszeiten würde jedoch den Spitzen-Nachfragen in keiner Weise gerecht. Aus volkswirtschaftlichen Überlegungen und wegen des grossen Flächenbedarfs von Verkehrs-Infrastrukturen ist es also sinnvoll, eine mittlere Kapazität zu bauen. Zu viel für die Nebenverkehrszeiten und zu wenig für die Hauptverkehrszeiten.
Stauerscheinungen im Verkehrswesen sind also volkswirtschaftlich sinnvoll. Wenn die Zahl der Verkehrsteilnehmenden die Kapazität der gebauten Verkehrs-Infrastruktur übersteigt, gibt es Stau. Nicht nur Autos stauen sich auf der Stras­se, sondern auch Fussgänger/-innen und Radfahrende auf «ihren» Infrastrukturen. Bekannt sind zum Beispiel die Bilder vom Fahrradstau in Kopenhagen. Beim Ausbau von Verkehrs-Infrastrukturen sollen diejenigen Verkehrsmittel bevorzugt werden, die die geringsten externen Kosten für die Gesellschaft verursachen und am meisten Personen von A nach B befördern können mit dem kleinsten Flächenverbrauch. Priorität soll also der Fussverkehr haben vor dem Radverkehr, vor dem öffentlichen Verkehr und vor dem Autoverkehr.
Will man speziell den Autostau auf den Hauptstrassen verkleinern, so ist eine Kapazitätserhöhung für den Autoverkehr ganz offensichtlich der falsche Weg. Denn weniger Autostau reduziert die individuellen «Staukosten» und macht das Verkehrsmittel Auto attraktiver; induziert also noch mehr Autoverkehr. Für die Wirtschaft ist nicht der Autotransport, sondern der Personentransport wichtig. Deshalb empfehlen Fachleute, die Kapazitäten für den Autoverkehr zu reduzieren und gleichzeitig die Kapazitäten für die alternativen Verkehrsträger zu vergrössern. Also zu Fuss gehen, Rad fahren und den öffentlichen Verkehr stärken und fördern.
Für Liechtenstein bedeutet das: Statt teuren Umfahrungsstrassen brauchen wir mehr Fuss- und Velowege und wir müssen den öffentlichen Verkehr per Bus und Bahn schneller und attraktiver machen. Quartierstrassen sollen für den Fuss- und Radverkehr optimiert werden und eine hohe Aufenthaltsqualität besitzen.

Vorstand des Verkehrs- Clubs Liechtenstein (VCL)

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