Leserbrief

Rettet das Netz!

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg | 22. März 2019

Die grösste Enzyklopädie der Welt macht dicht, zumindest auf Deutsch. Am 21. März hat man hat man auf deutschsprachigen Artikeln der Wikipedia nur eine Protestnote gegen das neue EU-Urheberrecht gefunden. Nach der Umsetzung einer «katastrophalen» Datenschutzverordnung im vergangenen Jahr folgt der nächste Coup der Eurokraten. Bereits am 26. März soll im EU-Parlament über die neue Fassung der EU-Urheberrechtsreform abgestimmt werden. Es ist mittlerweile leider eine Tatsache, dass sich die Eurokratie immer mehr von der Idee des liberalen Ökonomiegedankenguts entfernt. Es wird in den Glaspalästen der EU nicht nur über Krümmungswinkel von Gurken diskutiert. Nein, mit Eingriffen in die menschliche und ökonomische Freiheit zerstört man den Grundgedanken eines freiheitlichen liberalen Europas. Der Drang, Informationen und Wissen zu kommerzialisieren, wächst. Gleichzeitig wird unter diesem Vorsatz aber immer mehr versucht, die Meinungsfreiheit einzugrenzen. Das freie Internet ist ein Leitbild des digitalen Raumes, bei dem Chancengleichheit und Gemeinsinn die wichtigsten Grundpfeiler sind. Es stehen für diskriminierungsfreien Zugang, freie Inhalte und das ungehinderte Teilen von Wissen. Dafür stehen Wikipedia und Youtube. Gerade in der heutigen Zeit, einer doch von staatlich finanzierten medialen Informationssteuerung, haben faktenba­sierte, unabhängige Informationsplattformen für die gesellschaftliche Meinungsbildung eine wichtige Aufgabe. Die staatlich und kommerziell getriebenen Beschränkungen sind tiefgreifende Eingriffe in das Leben der Menschen. Im Hinblick auf diese Gefahren ist es wichtig diese bestehenden Freiräume zu verteidigen. Die EU-Parlamentsabstimmung zugunsten von Upload-Filtern und einem EU-weiten Leistungsschutz für kleinste Textschnipsel ist ein Rückschlag. Ein Rückschlag gegen Vielfalt und Meinungsfreiheit. Die Forderung einer Vergütung für Kreativität im digitalen Raum steht ausser Zweifel. Die neue Urheberrechtsreform ist jedoch völlig fehlgeleitet. Auch in Liechtenstein würden Nutzer von dieser irrsinnigen Rechtsreform betroffen sein. Die Politik ist gefordert, dass nicht jede Art von Verhalten im digitalen Raum zum Gegenstand von Scanning durch Automaten wird. Wir stehen leider erst am Anfang umfassender politischer Versuche, Informations-Regulierungen auf Plattformen mittels künstlicher «Intelligenz» als Regelwerke zu etablieren.

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg

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