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Leserbrief

Zahlungsmoral

Agnes Dentsch, Poliweg 12, Ruggell | 21. März 2019

Mit der Zahlung der monatlichen Krankenkassenprämien haben per Ende Februar 2019 290 Versicherte, von 39 746 Versicherten, (Stand per 31. Dezember 2017) Probleme gehabt. Für jene, die «nicht zahlen wollen» sehe ich noch ein, dass die Krankenkassen die Zahlung verweigert, aber nicht bei denjenigen, die «nicht zahlen können». Frage: In welchem Gesetz steht, dass die Kassen die Zahlungen verweigern dürfen? Kann dies ethisch-moralisch verantwortet werden?
Mit den Prämienvergünstigungen gibt es auch Probleme. Diese werden, sofern dem Antrag auf Verbilligung stattgegeben wird, erst per Ende des Jahres direkt an die Krankenkassen ausbezahlt, sofern noch Prämien offen sind. Aber die Prämien müssten monatlich bezahlt werden.
Was tun? Man kann versuchen, mit der Kasse über eine Teilzahlung zu verhandeln, ist dabei aber dem Wohlwollen der Kasse ausgeliefert.
Eine andere Möglichkeit ist der Gang zum Sozialamt. Dies erfordert aber von vielen eine Überwindung, man fühlt sich «nackt», fremden Personen ausgeliefert, man schämt sich. Betroffenen wird das Existenzminimum berechnet. Dies kann bedeuten: Möglicher Umzug in eine kleinere Wohnung, das Fahrzeug und Wertgegenstände oder gar das Haus verkaufen, keine Ferien, kein Restaurant besuchen, in alten Klamotten herumlaufen, usw. Mögliche gesundheitliche Folgen: Rückzug aus dem sozialen Leben, Verlust von Selbstwertgefühl, Depressionen, Kopfschmerzen, Verdauungs- und Herzprobleme und so weiter. Der Gang zum Arzt wird nötig, der wiederum die Gesundheitskosten erhöht. Ein Teufelskreis.
Noch eine andere Möglichkeit ist, Stiftungen anzusprechen. Dies ist ebenfalls mit einer enormen Überwindung verbunden. Wer «bettelt» schon gerne. Es gibt Ärzte, die behandeln Patienten ohne Krankenversicherung auf ihre eigenen Kosten, dafür recht herzlichen Dank. Das kann aber nicht im Sinne unseres Sozialsystems sein.
Bei uns wird eine solidarische Krankenkasse und beste Gesundheitsversorgung gepriesen. Wenn dieses Privileg gelten soll, dürften solche, die finanziell am Ende sind, nicht aus­gegrenzt werden. Daher müssen neue Lösungen gefunden werden. Es kann und darf nicht wahr sein, dass die Politik nichts unternimmt, wenn Menschen in Liechtenstein mit dem höchsten BIP (Bruttoinlandsprodukt) auf der Welt von der Grundversorgung abgehängt werden.

Agnes Dentsch, Poliweg 12, Ruggell

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